Mittwoch, 2. März 2016
Es tut mir leid, Pocahontas
Irgendwie stimmt das Bild-Bedeutungsverhältnis hier für meine Begriffe nicht, doch ich gröhle, mal mehr in Gedanken, mal lautstark:
"Es tut mir leid, Pocahontas, ich hoffe, du weißt das!"
Natürlich sorgt das Orchester in meinem Kopf für die richtige Begleitmusik, sprich: die Melodie des Singer/Songwriters dudelt akkurat in meinem gedanklichen CD-Player.
Noch immer stimmt das Bild der Pocahontas nicht, in meiner Vorstellung sind ihre Haare eher kurz. Statt dunkelsattbraun rötlich-brünett und ihr Gesicht hat keine mandelförmigen Augen. Stattdessen tiefblaue Eisseen, die zwar ins Wasser locken mit ihrer Schönheit, doch Verführte zu Gefallenen machen, die, noch ehe sie ertrinken konnten, erfroren sind.
Keine Frage, sie ist hübsch, gestehe ich meiner Pocahontas zu, ein wenig muss ich sogar nicken.
Eher burschikos, keine Wilde, die amazonenlike in Röckchen und mit Tieren redend durch Wälder rennt. Sie hetzt vielmehr der modernen Gesellschaft hinterher und artikuliert ihre Meinung eher in den Social Media statt sich mit Großmutter Weide auszutauschen. Ein Verlust, wie ich etwas bedauernd feststelle.
"Es tut mir Leid, Pocahontas, ich hoffe du weißt das. Tut mir so leid, Pocahontas."
Mein Körper wippt Text und Melodie mit, während in meinem Kopf Pocahontas ihr rötlich-brünettes Wuschelhaar lässig zur Seite streicht.
Es tut mir leid, Pocahontas!
Donnerstag, 4. Februar 2016
Songtitel
Manche Tage sind geradezu prädestiniert, ihnen Songtitel zu verpassen. Sie beginnen harmlos, vielleicht mit einem Termin für die Arbeit. Frühstück in aller Eile,mal wieder zu lange getrödelt vorm Kleiderschrank,und überhaupt, Tasche packen, Tablet vom Strom nehmen,Schuhe anziehen, Autoschlüssel grabschen und los. Alltäglich. Wetter,Laune und Motivation sind dabei die abwechslungsschaffenden Faktoren. Ein Termin jagt den nächsten, letztlich sind doch alle zu ersetzen. Eine Schulveranstaltung zieht die nächste hinter sich her,Konzerte reihen sich aneinander wie die Stuhlreihen der zahlreichen Aulen. Präsentationen,Preisverleihungen,Lesungen, Autoren, Schauspieler, Travestiekünstler. Sie alle sind doch irgendwie gleich,sie alle sind ein Eintrag im Terminkalender, versehen mit Uhrzeit und Location. Neunzig Minuten zeigen sie ihr Können, beantworten Fragen,bis sie wieder in der Versenkung verschwunden sind. Ein paar Worte werden übermorgen lauwarm an sie erinnern, druckfrisch und Als Schnee von gestern.
Der nächste Termin steht schon vor der Tür. Schule. Wieder mal. Ein Blick auf die Uhr, in zwei Stunden,naja vielleicht zwei ein halb, wird alles über die Bühne gegangen sein. Schüler sind ja selten kommunikative Wesen,obwohl, man weiß nie.
Interview, Foto machen, Gespräche führen. Die Chemie stimmt, es läuft richtig gut. Es klingelt,Schulaus. Interview im Kasten,auf Fragen fanden sich Antworten, Namen sind notiert.
Und man redet noch immer. Vom Tausendsten kommt man ins Hunderste und von dort wieder zum Ersten und Fünfzigsten. Faszinierend. Stunden ziehen Runden, spielen keine Rolle. "Wollen Sie einen Kaffee?" Man tauscht sich aus,stellt Fragen und erzählt. Man redet,man unterhält sich. Obwohl der Termin schon lange vorüber ist,führt man Gespräche. Talk. Mehr als Small Talk, weniger als eine Diskussion unter Freunden. Erfrischend und lebhaft.
Talk von Coldplay, einige Tage sind prädestiniert,ihnen Songtitel aufzudrücken, und sie mit einer Überschrift zu versehen, die man beim hastigen Frühstück noch nicht erahnen konnte.