Posts mit dem Label Unterhaltung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Unterhaltung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. November 2016

Er

"Eigentlich sind wir auch nur alle Jäger und Sammler", sagte er in die Stille hinein, die plötzlich entstanden war. Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter, ich nahm einen Schluck Wasser aus meiner Evian-Flasche. Nichts anmerken lassen, waren in etwa meine Gedanken, so ganz konnte ich ihnen nicht folgen.
"Wie meinst du das?"
Er sah mir ins Gesicht.
"Wir jagen Sehnsüchten hinterher, um irgendwelche Trophäen sammeln zu können. Frauen, Geld, Macht, Sex. Jäger und Sammler eben."
Die Bitterkeit seines Blicks löste etwas in mir aus, das ich nicht näher beschreiben konnte. Mitleid? Neugierde?
Er schüttelte den Kopf, als habe er die Unterhaltung mit sich selbst längst beendet.
"Ich war zu naiv, als es mir so schlecht ging. Ich glaubte den falschen Menschen zu viele schöne Worte, anstatt misstrauisch zu sein und vorsichtig."
Ich rutschte ein wenig auf meinem Stuhl umher, hatte das Gefühl auf flüssigem Feuer zu sitzen.
Wahrscheinlich sollte ich das nicht hören, ich sollte dieses Gespräch nicht führen... Mein Verstand schrie mich förmlich an, bettelte, flehte.
"Als ich mir die Knarre an die Stirn gehalten habe, hat mich nur ein winziger Funke Verstand zurückgehalten..." Seine Stimme klang wie von weit her, als stünde er in einem anderen Raum, in einem anderen Leben. Seltsam tot schienen seine Augen, jegliches Leuchten war aus ihnen gewichen.

Mittwoch, 30. März 2016

Bananenweizen

Man sitzt und lacht und trinkt. Bis das Glas leer ist und die Kellnerin - jung, langhaarig und blond, mit pinkem Sweatshirt zu schwarzen Hosen- leichtfüßig zum Tisch kommt. "Kann ich dir noch was bringen?" Eine Gedenksekunde, dann ein Nicken in Richtung Glas. "Ein alkoholfreies Weizen, bitte." "Kommt gleich!" Das Lächeln auf den Lippen der Kellnerin lässt ihre Augen noch ein Wenig mehr strahlen, als sie es ohnehin schon tun. 
Das Gespräch am Tisch ist nur kurz verstummt, in den Pausenmodus gefallen, vielleicht. "Um den Gedanken von eben aber nochmal aufzugreifen...", setzt Jemand an und wird erneut unterbrochen. "So, hier ist dein alkoholfreies Weizen! Prost!" Das Lächeln steht ihr ausnehmend gut.
"Ich mag kein Weizenbier. Dieser hefige Geschmack... Das ist gar nix für mich!" "Mmh, genau das mag ich daran!" Darauf einen kräftigen Schluck. Erfrischend und kühl schäumt das milchige Bier die Kehle hinunter, hinterlässt Wohlgeschmack und Gänsehaut.
"Und ganz schlimm ist ja wirklich Bananenweizen!" 
Eine Geschmacksexplosion der besonders furchtbaren Art. Stumpf-schwer die Banane in der Kombination, hefig und prickelnd das Bier. Eine Mischung, die weder kalt noch lau vollmundig ist, sondern einfach irgendwie Bestand hat. Welchen? Schwer zu sagen. 
Bananenbrei vermengt mit Weizensaft zu Pastellbier, zart im Farbton, beinahe hübsch. Sommerkleidfarben vielleicht, oder Frühsommerfarben. 
"Nein, Bananenweizen mag ich auch nicht!"

Montag, 21. März 2016

Rhythmusgefühl

Ein paar Wochen ist es her, da unterhielt ich mich über Lebensrhythmen, Alltagsgewohnheiten und Zubettgeh-Zeiten. Ich stellte zusammen mit meiner Gesprächspartnerin fest, dass sich meine Zeiten konsequent von ihren unterschieden, und das in jeglicher Hinsicht. Eine ganze Weile vergaß ich die Unterhaltung, doch vor wenigen Tagen kam sie mir wieder ins Gedächtnis. Ohne Grund, ohne Vorwarnung, einfach so.
"Wenn ich fast schon aufstehen muss, bist du gerade erst ins Bett gegangen..." Interessant, dachte ich, da ist irgendwie was dran.
Als genereller Nachtmensch und bekennende Nachteule fällt es mir tatsächlich sehr leicht, "bis in die Puppen" wach zu sein, und,viel wichtiger, gerne aktiv zu sein. Kreativität und Leistungsfähigkeit, Ideen, Motivation, vielleicht ein Hauch Raffinesse - alles Attribute, die ich mir gerne aufs Brot schmiere. Vor allem nachts. Gerade nachts. Ich mag die Nacht, in ihrer Dunkelheit ist sie so samtig, dass es schwierig ist, sie nicht einzuatmen. Man kann sich so leicht in ihr verlieren, in ihren Straßen und Gässchen umhertänzeln und den Ausgang suchen, der irgendwo weit im Osten zu finden ist . Die Nacht verschluckt viel, und gibt doch so viel her, sie flüstert von tausend Problemen und Gedanken, sie erzählt von Ängsten und Befürchtungen. Sie verhüllt und entblößt, in ihr wird alles rein und ehrlich.
Ich mag die Nacht. Ich mag es, wenn der Mond silbert und blass sein Licht verteilt. Ich mag die Nacht mit ihren Einfällen und Ideen, mit ihren Monstern und Liebenden, mit ihren heimlich Küssenden, die in Stadtwinkeln versteckt eng aneinander geschlungen stehen.
Es ist, als hätte die Nacht eine ganz eigene Melodie. Eine, die wie ein Ohrwurm immer wieder kommt und jedes mal auf's Neue wundervoll und erfrischend ist.
Ich mag die Nacht, ich sehe gerne ihre Wellen in Auroras Morgenrot brechen, sehe sie schwinden, und am Abend wieder aufziehen. Dann, wenn ich zu arbeiten beginne, wenn mein Herz seinem Rhythmus folgt.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Songtitel

Manche Tage sind  geradezu prädestiniert, ihnen Songtitel zu verpassen. Sie beginnen harmlos, vielleicht mit einem Termin für die Arbeit. Frühstück in aller Eile,mal wieder zu lange getrödelt vorm Kleiderschrank,und überhaupt, Tasche packen, Tablet vom Strom nehmen,Schuhe anziehen, Autoschlüssel grabschen und los. Alltäglich. Wetter,Laune und Motivation sind dabei die abwechslungsschaffenden Faktoren. Ein Termin jagt den nächsten, letztlich sind doch alle zu ersetzen. Eine Schulveranstaltung zieht die nächste hinter sich her,Konzerte reihen sich aneinander wie die Stuhlreihen der zahlreichen Aulen. Präsentationen,Preisverleihungen,Lesungen, Autoren, Schauspieler, Travestiekünstler. Sie alle sind doch irgendwie gleich,sie alle sind ein Eintrag im Terminkalender, versehen mit Uhrzeit und Location. Neunzig Minuten zeigen sie ihr Können, beantworten Fragen,bis sie wieder in der Versenkung verschwunden sind. Ein paar Worte werden übermorgen lauwarm an sie erinnern, druckfrisch und Als Schnee von gestern.
Der nächste Termin steht schon vor der Tür. Schule. Wieder mal. Ein Blick auf die Uhr, in zwei Stunden,naja vielleicht zwei ein halb, wird alles über die Bühne gegangen sein. Schüler sind ja selten kommunikative Wesen,obwohl, man weiß nie.
Interview, Foto machen, Gespräche führen. Die Chemie stimmt, es läuft richtig gut. Es klingelt,Schulaus. Interview im Kasten,auf Fragen fanden sich Antworten, Namen sind notiert.
Und man redet noch immer. Vom Tausendsten kommt man ins Hunderste und von dort wieder zum Ersten und Fünfzigsten. Faszinierend. Stunden ziehen Runden, spielen keine Rolle.  "Wollen Sie einen Kaffee?"  Man tauscht sich aus,stellt Fragen und erzählt. Man redet,man unterhält sich. Obwohl der Termin schon lange vorüber ist,führt man Gespräche. Talk. Mehr als Small Talk, weniger als eine Diskussion unter Freunden. Erfrischend und lebhaft.
Talk von Coldplay, einige Tage sind prädestiniert,ihnen Songtitel aufzudrücken, und sie mit einer Überschrift zu versehen, die man beim hastigen Frühstück noch nicht erahnen konnte.