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Freitag, 22. März 2019

Strudel

(C) snowcakeofice_fotograefin.

Unsere Tage dauern 24 Stunden
und sind doch viel zu kurz.
Zu kurz, um all die Augenblicke und
Momente
intensiv auskosten zu können.
Zu intensiv sind sie,
um sie ungenutzt verstreichen
zu lassen.
Wir verfangen uns in Minuten,
wie eine Fliege im Netz
einer Spinne.
Wir kleben aneinander,
nicht bereit,
loszulassen.
Unsere Herzen schlagen,
im Gleichtakt,
unsere Gedanken
ergänzen sich.
Am Ende jeden Tages
stellen wir uns die Frage,
wohin all die Stunden
gezogen sind,
wo wir unsere
Minuten verloren
haben.


snowcakeofice.

Donnerstag, 8. März 2018

Spotlight - on air.

Spotlight. (C) mondprinzessin



Im Rampenlicht stehen, sich im Scheinwerferlicht sonnen und sich von Blitzlichtgewitter umschmeichelt fühlen - der Traum vieler Mädchen.
Junger Mädchen. Älterer Mädchen. 

Meiner nicht mehr.

"Hey Zoey, Rigatoni-Toni? Ich lade dich ein", plapperte mir die Stimme meines besten Freundes entgegen. 

Mein Kopf rauchte, mein Magen rebellierte. Die letzte feste Mahlzeit lag einige Tage in der Vergangenheit -  die Reste davon sogar noch im Mülleimer. 

Noch eine Minute zuvor hatte ich brütend über eine Klausur vertieft gesessen, die Fingerspitzen tief in den Kugelschreiber vergraben, den ich letzte Woche erst in der Bibliothek gefunden hatte. 
Literweise Schweiß waren gefühlt in das kratzige Plastik geflossen, das die Mine ummantelte.
Ich spürte, dass ich zitterte vor Adrenalin - und Hunger. 
Essen, mein Körper schrie förmlich nach Nahrung. 

Torben stupste mich an, ich war ihm noch eine Antwort schuldig. 

"Nein - ja- ach, ich.. Nein, ich hab heute noch Etwas vor, ich..ich gehe essen", wich ich ihm aus. 
Und hasste mich im selben Augenblick für die Lüge.

"Ach ja? Das wäre ja ganz was Neues!" Torbens Lachen klang weder lustig noch fröhlich.  
Ich wusste, dass er sich Sorgen um mich machte  und mir das auch bei weitem nicht verheimlichte. Im Gegenteil. 

"Die ganze Scheiße macht dich doch vollkommen kaputt!" In seinem Blick Angst und Verzweiflung. 

Ich wollte beides nicht sehen. 

"Ich hab das im Griff, okay? Ich weiß, wie weit ich gehen kann und ich weiß, wo meine Grenze ist! Ich brauche keinen Aufpasser und Babysitter - danke!"

Ich. Ich. Ich. 

Ich hatte die Kontrolle über mein Leben verloren - an den Job meines Lebens. 

Oder anders - an den Job, der mir mein Leben genommen hatte. 

snowcakeofice.

Dienstag, 30. August 2016

Entschuldigung, sitzt mein Nasenpiercing noch richtig?


Die Luft steht in dem Studio, das sich an den Klassenraum angliedert. Muffig und irgendwie abgestanden, seltsam schal und scharf dringt Staub in unsere Nasen, legt sich auf unsere Bronchien.
Wir machen hier jetzt mal Fotos, guckt euch mal um und macht euch einen Lichtaufbau, wie ihr das aus euren Studios kennt!“ Die Lehrerin, altersmäßig schwierig einzuschätzen, sportlich gekleidet und mit blond-dunklen Haaren lässt sich auf den Hocker fallen, der vor dem Studiorechner steht. „Mal sehen, was sich hier so über die Ferien getan hat...“ Sie blickt auf den Bildschirm, drückt Tasten und gibt Passwörter ein, verbindet die Kamera mit dem iMac.
Wir stehen zu viert im Halbkreis, sehen uns an, S lacht schief. „Wir haben bei uns ein Haarlicht, eine Softbox und ein Hintergrundlicht, das einen Verlauf zeigt“, beginnt er, nestelt dabei irgendwie an seinem Tshirt herum. R nickt. „Wir haben kein Haarlicht, aber dafür noch einen Aufheller dazu.“ Ich überlege kurz. „Wir benutzen je nachdem das Haarlicht, haben aber auch eine Softbox, einen Aufheller und ein Hintergrundlicht.“
Die Lehrerin schaltet sich wieder ein, sieht S direkt an. „Dann würde ich doch sagen, wir fangen mit deinem Aufbau an. Bau du dir, wie du es gewohnt bist und es fotografiert dich dann jemand.“
Zusammen bauen wir Lampen und Lichter auf, verlegen Kabel und arrangieren uns mit dem Stromgenerator, bis unser Hintergrund dunkelgrau lichthell ist.
So S, das ist dein Aufbau, wer fotografiert dich jetzt darin?“ Ich mache einen Schritt nach vorne, nehme von der Lehrerin die Kamera in Empfang. S setzt sich auf den runden Winzhocker, von dem auf beiden Seiten ein wenig seiner Masse herabhängt. „Lass mich bitte dünn aussehen!“ Er lacht. Ich mag Menschen, die über sich selbst lachen können und nicht toternst sterben müssen. Langsam lockert sich die Stimmung, auch R und M lachen, aus den Augenwinkeln kann ich sehen, wie unsere Lehrerin sich entspannt.
Setz dich bitte mal ein wenig seitlicher, dreh deine Beine nach da“, als wäre er ein Bewerbungsfoto-Kunde im Studio postiere ich ihn, rücke ihn ins rechte Licht. Er lächelt mich freundlich an, wackelt dann irgendwie mit der Nase.

Entschuldigung, aber sitzt mein Nasenpiercing noch richtig?“

Ich lasse die Kamera vor meinen Augen sinken, starre S‘ Nase an und muss lachen. Auch R und M lachen, die Lehrerin beugt sich nach vorne, betrachtet sich ebenfalls ausgiebig die Nase ihres neuen Schülers. „Ähm.. ja, kann man so sagen!“
Was soll da denn nicht sitzen?“ R japst leicht nach Luft. „Na, ob das Septum schief oder gerade ist, Mann!“ S fummelt an seinem Piercing herum, goldfarben ist es und wirkt in seinem Gesicht irgendwie verloren. Zusammen mit den Stracciatella-Tunnels ergibt sich jedoch wieder ein Bild, das mich zufrieden stimmt. Ein sympathischer Typ, geht mir durch den Kopf, während ich versuche, sein leichtes Übergewicht auf dem Foto für den neuen Schülerausweis zu kaschieren.

Dienstag, 3. Mai 2016

Sonne über dem Weiher

Von weitem kann man die Autos hören, Reifen quietschen, vermutlich an einer roten Ampel. Gerade noch zum Stehen gekommen, rechtzeitig, vor dem Tulpenrot.
Schilf und Gräser rauschen in der Brise, tausendstimmig wispert Vogelzwitschern an Ohren.
Die Luft schmeckt süß und herb, erdig nach der abgestandenen Brühe des Absinkweihers, in der sich die Sonne so wunderschön spiegelt.
Wie eine Silberfläche liegt der Weiher, die Oberfläche kräuselt sich sacht, wenn Insekten schwerelos darüber surren, um ein Tröpfchen zu erhaschen.
Abschüssig führt der Weg zum Ufer, Millionen Kaulquappen tummeln sich im klaren Morast, nuckeln an Hölzchen, halbvergangen.
Ein Reiher gleitet durch die Luft, weicht einer Birke aus, deren Grün hoch aufragt. Die Silberfläche spiegelt ihn, verzerrt und doch irgendwie real. Der Wind macht ein Geräusch, während er durch die Federn seiner Flügel zischt, die Beine lang nach hinten gestreckt.
Ruhe. Eintracht. Natur.
Die Strahlen der Frühlingssonne wärmend auf Armen und Beinen.
Ataraxie.