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Freitag, 3. Juni 2016

YummYumm

Bunt und in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen liegen sie einladend im Regal. Sorgfältig sortiert, immer die lange Seite zum Kunden hin. Obwohl der Standardbürger die Aufschrift -original in asiatisch- ohnehin nicht lesen wird.
So tun als ob.
So tun,als wäre man Bürger von Welt und nicht Müller/Meyer/Schmidt aus Hintermdorf.
So tun als ob.
Als wären die fadenscheinigen Yummyummsuppen wirklich Mit Ente,Shrimps und echten Gewürzen zubereitet.
Nudeln am Band in Brühe.
Glutamat aufgelöst in Wasserdampf,  um die Illusion von Geschmack auf den Zungen der Hintermdorfner Weltbürger aufrecht zu erhalten.
"Das Preisleistungsverhältnis stimmt bei YummYumm,wenn ich das mal so sagen darf!" 
Sie schaut kritisch an der Regalreihe entlang, dreht eine Strähne ihrer Dreads -pink und halbfertig - zwischen den Fingerspitzen.
"Die machen einfach satt und Kosten", ihr Finger streicht flüchtig über das Etikett "40 Cent. Da kann man echt nicht meckern!"
Quietschbunt preisen die Plastiktütchen der Instant-Noodle-kombi Essvergnügen par excellence an.
Klein und handlich, in wenigen Minuten zubereitet, vielfältig in Geschmack und Ausführung - ein Schnäppchen für den großen Hunger und die schmale Geldbörse.
*
Wasser blubbert im Kocher,100 Grad sind schnell erreicht.
Kompakt,beinahe hieroglyphisch mutet das Muster der YummYummmahlzeit an, Löckchen,den Dauerwellen von gealterten Damen nicht unähnlich.
"Du musst die Gabel draufdrücken damit alles unten bleibt."
"Ne gewisse Routine hast du dabei, oder?"
Sie lacht,dabei stupst sie mit der Lippe leicht an das blaue Kügelchen ihrer gepiercten Zunge.
"Hey..." Ihr Lachen plätschert angenehm durch den kleinen Raum. "Ich hab ja gesagt, ich bin mit dem Preisleistungsverhältnis zufrieden!" 
Eine Mischung aus Graugelbockerzimt verteilt sich über die Nudellöckchen,verschwimmt mit der Brühe, macht sie zäh.
Fettaugen setzen sich am Schüsselrand ab,lugen fast schon neugierig darüber hinaus.
So tun als ob.
Als wäre die YummYummPampe im Indian Style ein Drei Sterne Menü und keine Notlösung, wenns schnell gehen soll.
So tun als ob.

Mittwoch, 30. März 2016

Bananenweizen

Man sitzt und lacht und trinkt. Bis das Glas leer ist und die Kellnerin - jung, langhaarig und blond, mit pinkem Sweatshirt zu schwarzen Hosen- leichtfüßig zum Tisch kommt. "Kann ich dir noch was bringen?" Eine Gedenksekunde, dann ein Nicken in Richtung Glas. "Ein alkoholfreies Weizen, bitte." "Kommt gleich!" Das Lächeln auf den Lippen der Kellnerin lässt ihre Augen noch ein Wenig mehr strahlen, als sie es ohnehin schon tun. 
Das Gespräch am Tisch ist nur kurz verstummt, in den Pausenmodus gefallen, vielleicht. "Um den Gedanken von eben aber nochmal aufzugreifen...", setzt Jemand an und wird erneut unterbrochen. "So, hier ist dein alkoholfreies Weizen! Prost!" Das Lächeln steht ihr ausnehmend gut.
"Ich mag kein Weizenbier. Dieser hefige Geschmack... Das ist gar nix für mich!" "Mmh, genau das mag ich daran!" Darauf einen kräftigen Schluck. Erfrischend und kühl schäumt das milchige Bier die Kehle hinunter, hinterlässt Wohlgeschmack und Gänsehaut.
"Und ganz schlimm ist ja wirklich Bananenweizen!" 
Eine Geschmacksexplosion der besonders furchtbaren Art. Stumpf-schwer die Banane in der Kombination, hefig und prickelnd das Bier. Eine Mischung, die weder kalt noch lau vollmundig ist, sondern einfach irgendwie Bestand hat. Welchen? Schwer zu sagen. 
Bananenbrei vermengt mit Weizensaft zu Pastellbier, zart im Farbton, beinahe hübsch. Sommerkleidfarben vielleicht, oder Frühsommerfarben. 
"Nein, Bananenweizen mag ich auch nicht!"