Als sie ihren Kopf aus dem Holzfenster streckte, konnte sie die Zugvögel hören. Schreihälse, die durch den Abend des ersten Novembers zogen und sich so unendlich viel zu berichten hatten.
Sie erzählten von Märchen, von großen Lieben und fremden Ländern, was sie in ihrem Sommer erlebt hatten und wem sie den Laufpass gegeben haben.
Ihr Gespräch kam als Schnattern in den Dörfern und Städten an, über die sie flogen. Die Flügel weit ausgebreitet, gegen Zugluft schützten Flaumfedern.
Für einen Augenblick schloss sie die Augen und wünschte sich, die Freiheit der Zugvögel auch in ihren Adern zu spüren. Einfach in die Nacht hinaus, dem Nachtwind entgegen, der sie auf Samtschwingen dorthin bringen würde, wo sie frei sein konnte.
Es duftete nach Regen, obwohl es den Tag über trocken, sogar sonnig gewesen war. Es duftete nach Herbst und Wintereinbruch, nach Pilzen, Moos, nassen Hunden und Spaziergängen über matschige Wiesen. Sie lächelte und trotz des kühlen ersten Novemberabends füllte sich ihr Körper von innen heraus mit Wärme.
Wie strubbelig ihre Haare doch gleich nach dem Wachwerden sind, dachte sie, noch immer an den Holzfensterrahmen gelehnt und musste beinahe im selben Moment lachen. "Sonst fällt dir nichts anderes zu mir ein?" , würde sie empört schnauben und ihre Augen groß aufreißen. Um ihre Mundwinkel würde ein Grinsen spielen, das sie nur mit Mühe unterdrücken könnte. Ein Kuss, tief und lang, oder vielleicht nur ein Stupser auf die Nase wäre ihre eigene Reaktion.
Ihre strubbeligen Haare... Sie kicherte leise, gerade so laut, dass sich auf der anderen Straßenseite eine Katze erschreckte und sie entsetzt anstarrte.
Ihre strubbelige Morgenfrisur kitzelte sie in der Nase, wenn sie aneinander gekuschelt den Morgen verstreichen ließen und über Wetter und Welt philosophierten. Autos hupten auf der Straßen, Rettungswagen fuhren den Berg hoch und runter, wahrscheinlich auf der Suche nach ihrem Patienten.
Was kümmert es uns, ging ihr durch den Kopf, während sie langsam den Griff des Holzfensters schloss. Schneidend war die Abendluft geworden, brannte ein wenig in Nase und Lungen.
Lass mich dir von Märchen und Heldinnen erzählen, von Wundern und Welten, in denen die verrückten die besten Menschen sind.
Posts mit dem Label Genuss werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Genuss werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 1. November 2016
Zugvögel
Labels:
Abend,
Emotion,
Erdkugel,
ErsterNovember,
Genuss,
Grinsekeks,
Herbst2016,
Kalt,
Liebe,
Nacht,
Nasenbär,
Regenduft,
Sonne,
Sonntag,
SonntagMorgen,
Warm,
Wärme,
WinterEinbruch,
Zugvögel
Dienstag, 19. Juli 2016
Erinnerung aus Eis
Erinnerung an Tage, die staubig waren und an denen man erst dann wieder zuhause sein musste, wenn die Lichter am Abend angingen. Die halbe Nacht auf der Straße sitzen und die Wärme des Asphalts durch den Radlerhosenstoff spüren, während Fahrrad, Roller oder Inlineskates in der Rinne liegen.
Die Augen schließen und denken, diese Zeit würde nie enden, nie würden die großen Ferien, sechs Wochen Unendlichkeit, zu Ende gehen.
Wenn ich tief einatme, schmecke ich noch den süßen, duftigen und leichten Geschmack meines Kindersommers auf den Lippen. Sonnencreme, Planschbeckenwasser mit Fliegenleichen, Barfußlaufen.
Beinahe kann ich unser Glücksgeschrei noch hören, wir waren unendlich glücklich.
Abends, wenn die Sonne nur noch verwoben durch den Dorfwald schimmerte und die Straßen der Siedlung in Sattgrün hüllte, lagen wir auf der Lauer. Silbermünzen fest in unsren Kinderfäusten, 1 Mark für zwei Bällchen Eis.
"Einmal Zitrone und einmal Schlumpfeis!"
Cremig und blau genossen wir das Tageshighlight. Versonnen saßen wir auf Mauern und Straßen aufgereiht, barfüßig und dreckig, ohne Smartphone, ohne Internet, ohne WLAN.
Wir schleckten Erinnerungen aus Eis, die bis heute nicht aus unserem Gedächtnis geschmolzen sind.
Labels:
Abend,
Damals,
Eis,
Erinnerung,
Freunde,
Genuss,
Kindheit,
Natur,
Schlumpfeis,
Schokolade,
Sommer,
Sommer2016,
SommerNacht,
Vanille,
Zitrone
Mittwoch, 30. März 2016
Bananenweizen
Man sitzt und lacht und trinkt. Bis das Glas leer ist und die Kellnerin - jung, langhaarig und blond, mit pinkem Sweatshirt zu schwarzen Hosen- leichtfüßig zum Tisch kommt. "Kann ich dir noch was bringen?" Eine Gedenksekunde, dann ein Nicken in Richtung Glas. "Ein alkoholfreies Weizen, bitte." "Kommt gleich!" Das Lächeln auf den Lippen der Kellnerin lässt ihre Augen noch ein Wenig mehr strahlen, als sie es ohnehin schon tun.
Das Gespräch am Tisch ist nur kurz verstummt, in den Pausenmodus gefallen, vielleicht. "Um den Gedanken von eben aber nochmal aufzugreifen...", setzt Jemand an und wird erneut unterbrochen. "So, hier ist dein alkoholfreies Weizen! Prost!" Das Lächeln steht ihr ausnehmend gut.
"Ich mag kein Weizenbier. Dieser hefige Geschmack... Das ist gar nix für mich!" "Mmh, genau das mag ich daran!" Darauf einen kräftigen Schluck. Erfrischend und kühl schäumt das milchige Bier die Kehle hinunter, hinterlässt Wohlgeschmack und Gänsehaut.
"Und ganz schlimm ist ja wirklich Bananenweizen!"
Eine Geschmacksexplosion der besonders furchtbaren Art. Stumpf-schwer die Banane in der Kombination, hefig und prickelnd das Bier. Eine Mischung, die weder kalt noch lau vollmundig ist, sondern einfach irgendwie Bestand hat. Welchen? Schwer zu sagen.
Bananenbrei vermengt mit Weizensaft zu Pastellbier, zart im Farbton, beinahe hübsch. Sommerkleidfarben vielleicht, oder Frühsommerfarben.
"Nein, Bananenweizen mag ich auch nicht!"
Labels:
Abend,
Bananenweizen,
Bar,
Bier,
Farbe,
Frühling,
Genuss,
Gesellschaft,
Gespräch,
Kneipe,
Social Life,
Sommer,
Unterhaltung,
Weizenbier
Abonnieren
Posts (Atom)