Wir verschwenden Lebenszeit und
sparen Datenvolumen,
nur um fetten Frauen im Netz
beim Verschlingen von 5000kcal
am Stück zuzusehen -
bodyshaming to go.
Wir ergötzen uns auf Twitter
an Gesichtern der Not und des Leids,
nur um dem Gutmenschentum,
dem heiligen,
gerecht zu werden.
Wir zersäbeln die Erde,
unterwerfen sie, erforschen sie -
Alles in Auftrag und Sinne der
Wissenschaft.
Wir pflanzen Strommasten,
warten bis sie blühen
wie die Wildrosen,
die wir im Staub zurückgelassen haben -
vielleicht treiben sie aus,
irgendwann.
Unser Leben hat online
mehr Bedeutung als analog,
Follower sind die besseren Freunde,
während die Sucht nach den
täglichen Likes niemanden mehr
in die Stammkneipe treibt abends.
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Freitag, 9. September 2016
Wir ergötzen uns
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Umwelt,
Umweltschutz,
Zerstörung
Dienstag, 5. Juli 2016
Meer gesehen
Manchmal geht man mit offenen Augen durchs Leben, dann wieder sind sie verschlossen und man tappst halbblind durch Gassen und Flure.
Menschen sehen, Menschen wahrnehmen. Sie samt ihrer Probleme und Wünsche, so geheim die auch sein mögen, erkennen, sie ernst nehmen.
Manchmal reicht der Funke einer Ahnung, was einen Menschen beschäftigt, ihn vielleicht bedrückt und traurig macht. Manchmal muss man seinem Gegenüber aber tief in die Augen schauen, um die Firewall zu durchbrechen, die man sich im Alltag so aufbaut.
*
Ich ziehe durch die Straßen der kleinen Stadt, in der ich meinen Wagen geparkt habe. "Drei Stunden gratis parken" versprach der Werbeslogan auf dem Schild - sofern ich das Kauderwelsch Holländisch richtig entziffern konnte. Egal, jetzt steht das Auto da, wo es steht, basta.
Der Wind zieht stürmisch durch die Gassen, Meeresrauschen trägt er an mein Ohr, das Geblubber von Touristen außerdem. Japanisch, Deutsch, Englisch. Zwischendrin erfrischenderweise un petit peu de Francais, je t'aime la diversité culturelle.
Einen Augenblick schließe ich die Augen und höre das Gekicher von Jungmöwen, ganz nahe des kleinen Yachthafens. Sie spielen gemeinsam im Wind, lassen sich treiben und von einzelnen Böen wieder auffangen. Ich beobachte sie kurz, ehe ich weitergehe. Restaurants und Bars reihen sich im Licht der untergehenden Sonne aneinander, sie schmiegen sich in die Enge der Straßen. Autos brettern über Kopfsteinpflaster, übertönen das Möwengekicher und das Rauschen des Meereswindes gleichermaßen. Salzluft setzt sich in meiner Lunge fest, wie Sand in den Rillen meiner Schuhsohlen.
Menschen sehen, Menschen wahrnehmen. Sie samt ihrer Probleme und Wünsche, so geheim die auch sein mögen, erkennen, sie ernst nehmen.
Manchmal reicht der Funke einer Ahnung, was einen Menschen beschäftigt, ihn vielleicht bedrückt und traurig macht. Manchmal muss man seinem Gegenüber aber tief in die Augen schauen, um die Firewall zu durchbrechen, die man sich im Alltag so aufbaut.
*
Ich ziehe durch die Straßen der kleinen Stadt, in der ich meinen Wagen geparkt habe. "Drei Stunden gratis parken" versprach der Werbeslogan auf dem Schild - sofern ich das Kauderwelsch Holländisch richtig entziffern konnte. Egal, jetzt steht das Auto da, wo es steht, basta.
Der Wind zieht stürmisch durch die Gassen, Meeresrauschen trägt er an mein Ohr, das Geblubber von Touristen außerdem. Japanisch, Deutsch, Englisch. Zwischendrin erfrischenderweise un petit peu de Francais, je t'aime la diversité culturelle.
Einen Augenblick schließe ich die Augen und höre das Gekicher von Jungmöwen, ganz nahe des kleinen Yachthafens. Sie spielen gemeinsam im Wind, lassen sich treiben und von einzelnen Böen wieder auffangen. Ich beobachte sie kurz, ehe ich weitergehe. Restaurants und Bars reihen sich im Licht der untergehenden Sonne aneinander, sie schmiegen sich in die Enge der Straßen. Autos brettern über Kopfsteinpflaster, übertönen das Möwengekicher und das Rauschen des Meereswindes gleichermaßen. Salzluft setzt sich in meiner Lunge fest, wie Sand in den Rillen meiner Schuhsohlen.
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Donnerstag, 30. Juni 2016
Versetzt?
Auf dem Tisch ein Schälchen mit Sommerblumen, violett und blau. Zusammen mit dem Grün der Blätter eine frische und seltsam friedliche Kombination.
Sie sieht auf die Uhr. 19Uhr.
Ungelenk schiebt sie die Armbanduhr den Knöchel erst hinauf, dann wieder dorthin, wo sie zuvor war, ein roter Streifen bleibt.
Ein Kellner tritt an ihren Tisch.
"Darf ich Ihnen schon etwas bringen?"
Sie lächelt und betrachtet die schwarze Schürze, die sorgfältig um seine Hüfte gebunden ist. Einer dieser Bestell-Computer, neumodisch und irgendwie schick, steckt in der Schürzentasche, sie hat weder Namen noch Begriff dafür.
"Ich nehme zuerst ein Wasser", nickt sie, "ich erwarte noch jemanden."
"Sehr gerne!"
Sie blickt wieder auf die Uhr, 19:13Uhr.
Hatten sie sieben oder halb acht gesagt? Die Stirn in Falten gelegt zückt sie ihr iPhone, tippt kurz darauf herum und wühlt sich durch ihren Posteingang.
"Lass uns 19Uhr sagen, dann haben wir länger was vom Abend!"
Vielleicht steckt er im Stau. Ganz bestimmt steckt er im Stau, und das Handy hat er wahrscheinlich in der Tasche. Dann kann er ja gar nicht drankommen, um Bescheid zu sagen, dass es ein paar Minuten später wird.
"Ihr Wasser!", der Kellner stellt das Glas, in dem oben auf eine Zitrone schwimmt, vorsichtig auf dem Tisch ab. "Soll ich Ihnen schon mal die Karte..." "Danke, nein, ich warte."
19:20Uhr. Sie sieht sich um. Menschen, in Unterhaltungen vertieft, lagern auf den Stühlen in und vor der Bar. Einige spielen mit den Blumen in den viereckigen Schalen, andere knüllen Servietten zwischen den Fingern. Münder verziehen sich zum Lachen, Wortfetzen und Gesprächsknäuel dringen an ihre Ohren, ohne gehört zu werden.
"Dann haben wir länger was vom Abend!" Sie wiederholt die Worte in Gedanken, irgendwie haben sie einen gewissen Beigeschmack.
Dieser dämliche Stau...schimpft sie innerlich vor sich hin, bis ihr einfällt, dass es diesen Stau vielleicht gar nicht gibt.
Vielleicht hatte er einen Unfall, möglicherweise liegt er in diesem Moment in einem Rettungswagen, blutend, verletzt, und sie hat nichts Besseres zu tun, als langsam aber sicher sauer zu werden.
19:24Uhr.
Ein Schluck Wasser säuselt ihr die Kehle hinab, gegen die Trockenheit ihrer Lippen hilft es, die Bitterkeit bleibt.
Sie fährt sich mit den Fingern durch das Haar, das sie extra im Vormittag frisch nachblondiert hat. Es duftet noch nach der Pflegespülung der Blondierung, chemisch-süß nach Mango.
19:26Uhr.
Er wird nicht kommen. Nicht heute Abend, nicht irgendwann.
Sie atmet tief ein, stößt die Luft langsam wieder aus.
"Dann haben wir länger was vom Abend."
Das iPhone vibriert in der Tasche, die sie neben sich auf den leeren Stuhl gestellt hat. Ohne wirklich nachsehen zu wollen, beinahe widerwillig, zieht sie das Telefonwunder mit dem Apfel auf der Rückseite heraus.
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Mittwoch, 30. März 2016
Bananenweizen
Man sitzt und lacht und trinkt. Bis das Glas leer ist und die Kellnerin - jung, langhaarig und blond, mit pinkem Sweatshirt zu schwarzen Hosen- leichtfüßig zum Tisch kommt. "Kann ich dir noch was bringen?" Eine Gedenksekunde, dann ein Nicken in Richtung Glas. "Ein alkoholfreies Weizen, bitte." "Kommt gleich!" Das Lächeln auf den Lippen der Kellnerin lässt ihre Augen noch ein Wenig mehr strahlen, als sie es ohnehin schon tun.
Das Gespräch am Tisch ist nur kurz verstummt, in den Pausenmodus gefallen, vielleicht. "Um den Gedanken von eben aber nochmal aufzugreifen...", setzt Jemand an und wird erneut unterbrochen. "So, hier ist dein alkoholfreies Weizen! Prost!" Das Lächeln steht ihr ausnehmend gut.
"Ich mag kein Weizenbier. Dieser hefige Geschmack... Das ist gar nix für mich!" "Mmh, genau das mag ich daran!" Darauf einen kräftigen Schluck. Erfrischend und kühl schäumt das milchige Bier die Kehle hinunter, hinterlässt Wohlgeschmack und Gänsehaut.
"Und ganz schlimm ist ja wirklich Bananenweizen!"
Eine Geschmacksexplosion der besonders furchtbaren Art. Stumpf-schwer die Banane in der Kombination, hefig und prickelnd das Bier. Eine Mischung, die weder kalt noch lau vollmundig ist, sondern einfach irgendwie Bestand hat. Welchen? Schwer zu sagen.
Bananenbrei vermengt mit Weizensaft zu Pastellbier, zart im Farbton, beinahe hübsch. Sommerkleidfarben vielleicht, oder Frühsommerfarben.
"Nein, Bananenweizen mag ich auch nicht!"
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