Posts mit dem Label Eis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Eis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 16. März 2017

Eis isst man im Sommer.

Die Blumen und Pärchen
in Park und Anlagen irritieren mich, 
während Eis auf Haut tropft.
Eigentlich mag ich kein Eis, 
es ist kalt und nass und klebrig, 
zu süß für diese Jahreszeit.

Eis isst man im Sommer. 
Wenn Sonne vom staubgetrockneten 
Himmel knallt und es in der Straße 
zum Freibad hin nach tausendfach getrocknetem
Badezeug duftet. 
Wenn der Eismann abends, 
pünktlich um halb sieben vor der Haustür
klingelt und Kinder wie Erwachsene
Geld in die Höhe strecken, um 
Eine Kugel Vanille und einmal Schokolade, bitte!
freudig aus dem weißen Lieferwagen
heraus in Empfang nehmen.

Eis isst man im Sommer.

Wenn Schwalben wie 
Kamikaze-Flieger Manöver 
über Biergartengästen fliegen, 
wenn Glühwürmchen sich zärtlich
ihre Liebe geschehen 
und wenn in der Luft, 
zusammen mit unendlich fein gewebten Spinnen-
netzen ein Hauch Staubigkeit 
vermischt mit 
Sommergewitter liegt.

Der Tropfen Zitroneneis läuft mir
übers Handgelenk, 
träge schlecke ich 
ihm hinterher.
Ein Hund bellt in der Dämmerung.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Zartleicht

Pastellfarben schleicht der Mittwochmorgen sich
in die Gemüter der Menschen, die so mutig waren,
in den minus zwei Grad Celsius  kaltenTag zu starten.
Zärtlich gefroren sind Autoscheiben,
die Nacht hat mit Kristallfingern
Eisgespinste darauf gemalt -
Kunstwerke, deren Einzigartigkeit durch
Sonnengold zerstört wird.

Während langsam die Stadttauben ihr Gefieder im
Flusskühl erfrischen, ziehen sich die täglichen Blechkarawanen
durch Asphaltkurven, Stoßstange an Stoßstange.
Busse parken wie Lastkähne in den Wellen des Morgens,
der über ermüdet schauende Fußgänger hinweg schwappt.

Halb abgestanden, halb ausgehaucht duftet der
Morgen zwischen Häusern und Gassen,
wo Obdachlose in Wohnungseingängen
ihr Dasein fristen.
Oder die Nacht verbringen,
Ansichtssache.

Erste Sonnenstrahlen kitzeln Nasen,
eine Krähe fegt im Tiefflug über den Verkehrsknoten,
der sich im Herzen der Stadt
verworren hat wie ein altes Wollknäuel.

Dienstag, 19. Juli 2016

Erinnerung aus Eis

Erinnerung an Tage, die staubig waren und an denen man erst dann wieder zuhause sein musste, wenn die Lichter am Abend angingen. Die halbe Nacht auf der Straße sitzen und die Wärme des Asphalts durch den Radlerhosenstoff spüren,  während Fahrrad, Roller oder Inlineskates in der Rinne liegen. 
Die Augen schließen und denken, diese Zeit würde nie enden, nie würden die großen Ferien, sechs Wochen Unendlichkeit, zu Ende gehen. 
Wenn ich tief einatme, schmecke ich noch den süßen, duftigen und leichten Geschmack meines Kindersommers auf den Lippen. Sonnencreme, Planschbeckenwasser mit Fliegenleichen, Barfußlaufen. 
Beinahe kann ich unser Glücksgeschrei noch hören, wir waren unendlich glücklich.
Abends, wenn die Sonne nur noch verwoben durch den Dorfwald schimmerte und die Straßen der Siedlung in Sattgrün hüllte, lagen wir auf der Lauer. Silbermünzen fest in unsren Kinderfäusten, 1 Mark für zwei Bällchen Eis.
"Einmal Zitrone und einmal Schlumpfeis!" 
Cremig und blau genossen wir das Tageshighlight. Versonnen saßen wir auf Mauern und Straßen aufgereiht, barfüßig und dreckig, ohne Smartphone, ohne Internet, ohne WLAN. 
Wir schleckten Erinnerungen aus Eis, die bis heute nicht aus unserem Gedächtnis geschmolzen sind.

Montag, 18. Januar 2016

Eisblumen im Schaufenster

Es ist noch früh am Morgen, Montag. Ein Montag im Januar, Schneematsch ist über Nacht zu Eiskrusten gefroren,über die Autos mehr schliddern als fahren. Reifenknurren durchbricht dann und wann die Stille der Stadt,droht beinahe, die feinen Gespinste von Eiszauber brechen zu lassen. Klirrend kalt ist es,kleine Schneewölkchen blühen vor der Nase auf,zerfließen in kaum einer Sekunde.
Hin und wieder wankt ein Mensch durch die Straßen, tief vergraben in Schal und Jacke, den Blick nach unten gesenkt,vielleicht irgendwo zwischen Eispfützen nach Wärme suchend.
Starr scheint die Welt,obwohl am Winterhimmel langsam die Sonne aufzutauchen beginnt, Grashalme glitzern in ihrem Licht. Sie schimmern sanft und rosa,während das weite Blau in eine Mischung aus Orange-Weich-gelb-bläulich getaucht ist. Dunkel zeichnet sich der Fabrikenqualm aus alten Schloten davor ab,an den Rändern krasspink. Noch leuchten die Stadtlichter,noch ruht die Zeit. Ist sie auch eingefroren,über Nacht?
An einem Schaufenster, wunderschön und winzig, so filigran und feingewebt wachsen sie. Winterblumen,Eisblumen, die Schätze Väterchen Frosts. Ein Geschenk an alle, die ihre Freude am Kleinen haben,Freude am Duft nach Schnee in der Nacht. Freude am Gesang der Vögel. Freude am Licht der Sterne.
Sie blühen hell und kalt,die Eisblumen im Schaufenster, kriechen die Scheibe entlang, haften fest,und sind doch so zerbrechlich wie ein feines Gebilde aus Glas. Zauberblumen aus Eis.

Dienstag, 12. Januar 2016

Duft nach Schnee

Der Tag beginnt dunkel und endet hell. Neumond beleuchtet Städte und Dörfer, hüllt sie in Schweigen, während das Gemälde aus Sternschnuppen hoch über der Welt glänzt.
Im Wald huscht ein Reh über den Weg, der am Tag einer Rennstrecke für Vier- und Zweibeiner gleicht. Eine verkauzte Eule schwingt durch das Wintergeflecht aus blattlosen Bäumen und Gesträuch, vielleicht auf der Suche nach einer Maus. Ihre Federn sind flockig und weich, ihr Blick wachsam. Tiefdunkel liegt der Wald da, seiner Stille kann man lauschen, sie klingt wunderschön. Fast märchenhaft.
In den Straßen reiht sich Haus an Haus, Garage an Mülltonne. Papierfetzen stapeln sich hier und da, verzieren den Gehweg wie moderne Kunst. Irgendwo miaut eine Katze, vielleicht auch ein Kater. Ein einsames Lied oder gibt es Zuhörer?
Allmählich ziehen die Stunden vorüber, der Neumond geht unter, keine Sonne geht auf. Dafür schieben sich Wolkentürme vor das Sternschnuppengemälde, Berge aus Wassermolekülen bauschen sich zusammen. Die Luft zittert, es ist kühl, irgendwie sogar kalt. Sanft überziehen Blitze eines fernen Gewitters Himmel und Land, Winterdonner grollt gemütlich durch Straßen und Gassen.
Regentropfen lösen sich, erfrieren in der Kälte, fallen weich. Sie zuckern die Erde, allmählich und stetig, verstopfen die Luft mit ihrem Aroma. Schneeduft - etwas ganz Besonderes.
Die Nacht bricht wieder herein, der Neumond geht auf, will die Welt erdunkeln mit seinem schwarzen Licht. Doch taghell strahlen Land und Gassen, taghell erwidern sie den Sternschnuppenglanz. Hell ist die Stadt, hell sind die Dörfer. Hell und kühl, irgendwie sogar kalt. Die erfrorenen Regentropfen liegen weich und sanft und versüßen die dunkelhelle Nacht mit ihrem Schneeduft.