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Montag, 14. August 2017

Leuchtturm

Städte liegen uns zu Füßen 
auf unsrem Roadtrip, 
wir bezwingen Meer und Wind und Sand. 
Wir tauchen ein in Wunderwelten 
und Extrema.

Während wir handverschlungen 
durch Amsterdams Straßen flanieren, 
feiern wir uns. 
Hinein in den Sonnenuntergang, fünfundvierzig 
Minuten Bibliotheksruhe genießen, 
Ausblick vom Dach. 

Meerduft folgt uns, 
wohin unser Weg auch führt.
Ich schaue sie an, vollendet glücklich, verliebt,
während ihre Augen fest auf die Straße gerichtet sind.

Unterwegs Richtung Freiheit, 
Unterwegs Richtung Glück. 


03.08.2017 

Montag, 12. Dezember 2016

Schwebend.

Während ich durch die Kälte laufe und der Wind mit meinen Haaren Fangen spielt, sehe ich sie an. Sie lächelt leicht, als hätte sie wundervolle Gedanken, die sie trotz der atemberaubenden Temperaturen innerlich warm halten. Das Septum in ihrer Nase sitzt schief - die schwarzen Kugeln haben sich irgendwie asymmetrisch verteilt, ein wenig muss ich kichern.
"Was?" Scheint ihr Blick zu fragen, den sie mir zuwirft, sachte schüttelt sie den Kopf und greift nach meiner Hand. "Eiszapfen...", murmelt sie beinahe empört und umschließt meine Finger mit ihren.
Mein Herz rutscht ein Stück, nur um fast im selben Moment wieder in die höchsten Höhen und noch viel weiter katapultiert zu werden. Allein ihre Berührung lässt meinen Körper summen und vibrieren und gibt mir das Gefühl, nicht mehr Herr meiner Sinne zu sein.
Ich fühle mich als würde ich durch eine Wand aus rosa Zuckerherzchen schweben, die so unendlich weich und zart sind, wenn sie meine Haut streifen. Sie schmecken süß und zuckrig und eigentlich viel zu irreal für diese Welt, die sonst irgendwie hart und kalt zu sein scheint. Oder zu sein schien? Eine Sekunde kneife ich die Augenbrauen zusammen - und erschrecke, als ich plötzlich einen Kuss auf meinen Lippen spüre.
"Du bist mein ganzes Glück!", haucht sie und während wir uns in den Armen liegen, zieht die Welt mit all ihren Geschehnissen an uns vorüber.

Sonntag, 18. September 2016

Ölgemälde

Wenn aus Nacht Tag wird,
wir ewig in Deckentürmen liegen und uns
vom Muhen der Kühe sanft in den Schlaf wiegen lassen, 
während vor dem Fenster Regen zeitlupengleich auf Ziegel 
tropft,
spüren wir
unser Leben
am meisten.
Wie auf einem Ölgemälde ruht mein Kopf
in deinem Schoß, 
oder dein Kopf in meinem, 
so genau kann ich mich nicht erinnern, 
an die Stunden des unendlichen Morgens.
Du streichst über mein Haar,
dein Blick verliert sich irgendwo.
Lächeln umspielt deine Lippen,
verliebt.
Du beugst dich zu mir hinab,
küsst mich liebevoll -
als ich die Augen wieder öffne,
ist es Abend.


Montag, 12. September 2016

Ich dachte

"Ich dachte, du liebst mich!", sagte sie und sah ihn an.
Stumm und mit diesem Blick in den Augen, der ihn seit Monaten schier in den Wahnsinn trieb. Ihre Lippen schmollten, sie hatte wieder die Spottfalte um den Herzchenmund, den er zu Anfang so gerne geküsst hatte. Zu Anfang.
Er seufzte.
"Kannst du bitte mal was dazu sagen?" Die Stimme so voller Vorwurf, so voller... Er sparte sich die Mühe nach weiteren Beschreibungen zu suchen.
"Was soll ich denn sagen?"
"Vielleicht, wieso du deine Kollegin gevögelt hast?"
Wut. Wut lag in ihrer Stimme. Vorwurf und Wut, meistens waren es die beiden Färbungen, die ihr Tonfall annahm, wenn ihr Herzchenmund mal wieder Gehässigkeiten ausspie. Wie ein Drache, nur nicht ganz so liebenswürdig.
Er zuckte die Schultern, konnte sehen, dass sie das noch mehr in Rage brachte.
"Ich dachte, ich liebe dich...", griff er ihre Streiteingangsfrage auf. Immerhin konnte sie ihm nicht vorwerfen, er höre nicht zu.
"Was?!" Farblos war ihre Stimme plötzlich. Wie eine graue Ziegelsteinwald, von der man die Graffitis abgewaschen hatte.
Schlagartig wurden ihre Augen, in denen er schon vorher verdächtigen Schimmer festgestellt hatte, nass. Aus dem Saphirgrün perlten Tränen, hinterließen regentropfengleich Spuren auf ihrem Shirt.
"Ich dachte das mit uns wäre etwas Besonderes, etwas, das nur wir haben..." Hilflos nestelte sie an einem Fingernagel herum, riss ihn ab, während ihre Worte ertranken.
Er konnte es nicht leiden, wenn sie das tat. Mit hochgezogener Augenbraue beobachtete er eine Sekunde den Nagelrest, der sich in der Shirtfalte auf ihrem Bauch fing.
"Das war allein deine....Interpretation. Ich habe das so nie gesagt!" Cool und beherrscht lehnte er sich auf dem Sofa zurück.
"Es geht nicht darum, was du gesagt hast, sondern wie es rüberkam und  wie es sich angefühlt hat!" Sie weinte, als sie mit krausen Gedankengängen um sich warf. Der Damm war endgültig gebrochen, die Schleuse stand sperrangelweit offen.

Irgendwie hatte er Hunger. Vielleicht konnte er später noch mit Chris einen Döner essen gehen. Oder zu Bastian ein Bier trinken.
Ihr Schluchzen riss ihn aus seiner Abendplanung, richtig, hier gab es noch eine Schlacht zu schlagen. Das letzte Gefecht, sozusagen.
Sein Fremdgehen war mit einem Mal nicht mehr Vorwurf Nummer 1, dachte er in einem Anflug von Zynismus.
"Du hast mich nie geliebt Wirklich nie?" Rotz lief ihr aus der Nase, wanderte Richtung Herzchenmund. Er brauchte eine Sekunde, sich von dem Anblick zu lösen, ein Ekelschauer überlief ihn.
"Ich hab's versucht, ich hab's mir eingeredet", sein Blick ging nach unten, vielleicht war er ihr schuldig, so zu tun, als würde er die Tatsache, sie nicht lieben zu können, ehrlich bedauern. "Es hat nicht geklappt!" Ob seine Stimme sich so kalt anhörte, wie die Worte eisig aus ihm hervorsprudelten?

"Du hast es VERSUCHT?" Ihre Worte überschlugen sich, Tränenbläschen spritzten wie Meeresgischt  durch die Spannung der Luft.
"Bin ich so ein Ekel, dass man hartnäckig versuchen muss, mich zu lieben?" Die Mascara lief ihr in Strömen übers Gesicht, irgendwie hatte sie was von einem schwarzweißen Clown. Nein, berichtigte er sich. Clowns waren lustig. Oder zumindest gruselig. Sie war gerade einfach jämmerlich.

Er schüttelte den Kopf, wollte ihren Blick mit seinem festhalten.
"Hey..." Sollte er ihren Arm streicheln? Er machte Anstalten dazu, doch sie drehte sich entschlossen weg. Funken sprühten nun aus dem Spahirgrün ihrer Augen.
"Fass mich nicht an!", zischte sie. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn sich ihr Nackenhaar aufgestellt hätte wie bei einer wütenden Katze.
"Ich bin fertig mit dir! Ich will dich nie wieder sehen!" Die Worte schossen ihm entgegen, schleuderten in Saltos um seine Ohren und schenkten ihm ein Gefühl von Freiheit. Freiheit, endlich wieder.
Langsam nickte er. "Okay."
"Mehr hast du nicht zu sagen? Nur "okay"?" Verachtung.
"Nein. Nur okay."
Er stand auf, sah sich nochmal in ihrem Wohnzimmer um, schnappte sich seine Autoschlüssel und das Smartphone. Ohne ein weiteres Wort verließ er die Wohnung, zog die Tür hinter sich ins Schloss und freute sich über das Geräusch, mit dem sie ihn verabschiedete.
"Ich dachte du liebst mich!", hörte er sie auf der Straße weinen.

Freitag, 17. Juni 2016

Das heimliche Paar I

Irgendwo in den Straßen Frankfurts. 
Verkehr und Busse plärren über die Straßen, rumpeln über rote Ampeln und hupen Touristen an, die begeistert auf Gehwege zurückspringen. 
Jemand schreit, während aus einem Kinderwagen zufrieden das Gequieke eines Babys mit Schnuller dröhnt. 
Anonym und leer stieren die Augen des Publikums auf die Szenerie, zu oft gesehen, zu oft gehört. Immer dasselbe in den Straßen, die von Leben zu überfüllt und vollgeparkt sind. Desinteresse begleitet die täglichen Blechkolonnen, die Kilometer um Kilometer im Stau verharren. Allmorgendlich werden die Reste des Vortags aus den Ladenlokalen auf die Gasse gefegt, wo Kohlendioxidwind sie zusammen mit den Autoabgasen zu den Wolkenkratzern hinauf jagt. Dahin, wo die Luft reiner und leichter ist, wo Rauchschwaden sich spiegeln, wenn es mal brennt und Flugzeuge so verschwommen aussehen, als flögen sie über einen Teich. Hier glitzert noch das Sonnenlicht, hier streiten einige Raben um den besten Platz,  um die Hektik von Frankfurts Straßen in schönster Pracht erleben zu können. Straßentheater über den Dächern der Stadt.
Zurück auf der Straße, Ernüchterung, der Verkehr steht noch immer. Lediglich die S- und U-Bahnen gleiten durch die Moderluft der Tunnelsysteme. 
In einer Seitenstraße, wo sogar der eine oder andere Baum seine Krone im Wald aus Häuserfronten erhebt, entdeckt man sie. In eine tiefe Fensternische geschmiegt, abwassergrau das Haus, stehen sie. Für jeden zu sehen, der an ihnen vorübergeht. Und gleichzeitig für niemanden wahrzunehmen. 
Ein heimliches Paar.
Zwischen Verkehrsdung und Endlosstau, zwischen Asphaltbäumen und Dächern aus Dunst.
Sie lehnt an der niedrigen Fensterbank, ein Bein angewinkelt, das andere ausgestreckt, ihre Knie berühren leicht den Stoff seiner Jeans. Er hält sie sanft, hat seinen Arm um ihre Schultern gelegt, eine Hand fasst sie am Kinn. 
Irgendwo in den Straßen Frankfurts und in seinem Kuss versunken findet sich das heimliche Paar.