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Dienstag, 10. September 2019

Mit Dir

Ich will mit Dir
fallen, 
will mit Dir 
fliegen. 
Will lachen
und 
weinen - 
vor Freude und 
Schmerz. 
Will Dich in meinen
Armen halten, 
bei dir sein.
Ich will mit Dir 
streiten, 
will mich mit Dir
versöhnen. 
Ich will Dich. 
Ohne Wenn.
Ohne Aber. 
Dich. 

snowcakeofice.

Montag, 9. September 2019

Fünf Minuten

Fünf Minuten Glück - 
ähnlich zuzubereiten 
wie 'ne 5-Minuten-Terrine
von Maggi. 
Oder? Oder. 

Fünf Minuten Glück - 
endlose 300 Sekunden, 
gespickt mit dem Ticken des 
Sekundenzeigers auf meiner 
Uhr. 

Tick. Tick. Tick. Ticktick.

Was anfangen mit fünf Minuten Glück?
Wie es am besten verbringen, 
den meisten Nutzen haben, 
das Beste herausholen?

Nachdenken. 
Eis essen. 
Insta checken (neue Likes zählen zehn Glück-
sekunden extra!) 

Was, die fünf Minuten sind (schon) vorbei?! 

 snowcakeofice.

Sonntag, 10. Februar 2019

Der Baum

Ich sah diesen Baum... Und ich
kam nicht umhin,
(C) Snowcakeofice
ihn lange
schweigend
anzusehen.
Als er mir seine Geschichte
zu Ende erzählt hatte,
liefen Tränen
meine Wangen hinunter
und
ich ging langsam auf ihn zu.

"Ich verstehe Dich",
flüsterte ich in Gedanken,
während ich die Hand ausstreckte,
um seine Rinde
zu berühren.

Im Herbstwind wirbelten
ein paar seiner Blätter.

snowcakeofice.                                           

Montag, 14. August 2017

Leuchtturm

Städte liegen uns zu Füßen 
auf unsrem Roadtrip, 
wir bezwingen Meer und Wind und Sand. 
Wir tauchen ein in Wunderwelten 
und Extrema.

Während wir handverschlungen 
durch Amsterdams Straßen flanieren, 
feiern wir uns. 
Hinein in den Sonnenuntergang, fünfundvierzig 
Minuten Bibliotheksruhe genießen, 
Ausblick vom Dach. 

Meerduft folgt uns, 
wohin unser Weg auch führt.
Ich schaue sie an, vollendet glücklich, verliebt,
während ihre Augen fest auf die Straße gerichtet sind.

Unterwegs Richtung Freiheit, 
Unterwegs Richtung Glück. 


03.08.2017 

Donnerstag, 2. März 2017

Long Way down

Ihre Hand zitterte kaum noch, als sie nach dem Smartphone in den Tiefen ihrer Jeanstaschen kramte. Um sie herum flirrte die Luft im Wind, der sich seit einigen Stunden hartnäckig am Festsetzen war. Sie zuckte ein wenig zusammen, als die Fingerspitzen das Metallgehäuse des Mobiltelefons berührten.
Ein Blick auf das Displayfeld genügte ihr.
Wie wild blinkte die Benachrichtigungsleuchte, aggressiv in Cyanblau. Eine Pop-Up-Nachricht öffnete sich ungefragt und erhellte das  Schwarz des Displays.

"Alles gut bei dir?"

Sie schnaubte, leise, aber aus tiefster Überzeugung heraus, ehe sie das Fenster wegdrückte.
Alles gut. Alles gut?

Kurz zögerte sie, spürte, dass ihre Gedanken sich zusammenzogen wie dunkle Wolken es kurz vor einem Gewitter tun.
Eine Windböe vertrieb ihr heraufziehendes Gedankenunwetter jedoch, sie hatte ihr Gewitter bereits hinter sich.

*

Hektisch fing sich ihr Atem in der Maske, die sie sich über Mund und Nase gezogen hatte. Wozu eigentlich? Vielleicht wollte sie nicht erkannt werden, vielleicht ertrug sie den Gestank auch nicht. Einerlei, dachte sie und schmunzelte über ihre Wortwahl.
Für eine Sekunde ließ sie den Blick durch den Raum wandern, versuchte, ihn nicht mit ihren eigenen Augen zu sehen, sondern mit seinen.
Mit seinen dunkelgrünen Augen, die weit geöffnet waren und in denen Tränen funkelten. Die Augenbrauen  schienen ein Eigenleben entwickelt zu haben, abwechselnd hoben und senkten sie sich, möglicherweise im Gleichklang zu seinem Atem.
Belustigt, beinahe spöttisch sah sie auf ihn hinab. Kalt blitzten ihre Augen, um ihre Mundwinkel zuckte ein Lachen, wirr, irgendwie verrückt.
"Niemand hätte das gedacht, nicht wahr?" Rau hallten die Worte in der Dunkelheit wider, halfen ihr, sich wohlzufühlen.
"So sieht man sich wieder, in alter Frische, wie man so schön sagt."
Er versuchte dem Griff ihrer Hand in seinen Haaren zu entkommen - es war nicht mehr als das Winden eines Regenwurms auf dem Trockenen.
"Du magst doch Sprichwörter, mochtest du doch immer!" Sie hauchte es fast in sein Ohr, ihre Lippen berührten dabei sein Ohrläppchen. Wieder zuckte er zurück, sein Atem ging deutlich schneller, Würgelaute drangen aus seinem Mund.

"Was habe ich dir getan?" Ein Winseln, ein Flehen, ausgestoßen, um das erbärmliche Leben zu retten, auf das er so stolz war.

Sie lachte, laut und böse, der Griff in seinen Haaren verstärkte sich, sie riss seinen Kopf nach hinten, zwang ihn, ihr in die Augen zu sehen.
"Du hast mir mein Leben zerstört!"
Brutal ließ sie das Haarbüschel los, das sich zwischen ihren hungrigen Fingern verlockend angefühlt hatte.

"Du hast mein Leben zerstört und dafür", sie flickte eine Kunstpause in ihre Worte, "wirst du nun büßen!"

*

Das Handy in ihrer Hand vibrierte, es schien ein Anruf zu sein, das Summen wollte nicht enden und war kurz davor auch  die letzten  funktionierenden Nerven zu ruinieren, die sie noch hatte.
"Was?", blaffte sie nach einer kurzen Wischbewegung in das Smartphone.
"Wieso reagierst du nicht auf meine Nachrichten?" Die Stimme am anderen Ende war aufgeregt und schien sie durch die Leitung stehenden Fußes in den Boden stampfen zu wollen.
"Du  bist nicht mein Kindermädchen!" Sie war kurz angebunden, wozu sollte sie sich rechtfertigen? War sie irgendwem auch nur einen Hauch Irgendwas schuldig?
"Ich hab mir Sorgen gemacht!" "Und ich hab dich nicht darum gebeten, dir Sorgen zu machen!" Keine Nähe, keine Wärme zulassen. Emotionen außen vor lassen.
Sie wusste was geschehen konnte, wenn sie sich auf ihre Gefühle verlassen wollte.

*

Einmal, zweimal hatte sie schon zugeschlagen, hatte sie ihrer Wut, all ihren aufstrebenden Emotionen freien Lauf gelassen. Sein Geschrei war süßer als jede Melodie, die sie zuvor in ihrem Leben gehört hatte.
"Schrei nur, schrei, und sing mir das Lied vom Leid!"
Verrückt und psychopathisch war ihr Lachen, während Blutfetzen und Hautbrocken auf ihren Kleidern kleben blieben.
"Du verdammte Schlampe!", röchelte er heiser und fing an, sich zu übergeben.
Ein Quell aus frischem Blut sprudelte zwischen seinen Lippen hervor, es erinnerte sie an diese kitschigen Springbrunnen in penibel gepflegten Parks, wo Menschen pseudo-glücklich allsonntäglich ihre Hunde und Gatten hin ausführten.
"Du hast mir Alles genommen, alles, was mir in meinem verfickten Leben was bedeutet hat! Du hast sie mir genommen, dafür wirst du sterben!"
Ihr Herz bebte, ihre Lungen brannten und sie konnte sein Blut trotz der Maske auf ihrer Zunge schmecken. Bitter und kalt, wie Rache serviert werden sollte.
Sie sah auf ihre Hände hinab, in denen sie das kleine, leichte Beil hielt.
7,99Euro hatte es gekostet, "Küchenbeil" hatte auf der Rechnung gestanden und in seinem Blau-Gelb erinnerte es eher an einen zu lang geratenen Minion, anstatt an ein Werkzeug, das den Tod im Gepäck hatte. Es wog nicht viel in ihren Händen, passte sich an die Handanatomie geschmeidig und angenehm an. Sie würde keine Blasen davon bekommen, selbst wenn sie längere Zeit damit hantieren müsste.
Rachlust, gepaart mit Mordwillen - herrlich diese Kombination, die in Verbindung mit ihrem inneren Psychopathen nahezu grenzenlos war.

Als würde sie zu einem   Matchball beim Tennis ausholen, schwang sie das Beil, die schneidige Klinge blitzte mit ihren Augen um die Wette. Dunkelrot auf Metall - ein befreiender Farbverlauf.

Sein Schrei war überwältigend und enorm, als die Beilklinge ihm den Schädel spaltete.
Hirnmasse mit Blut verteilte sich auf dem Staub des Bodens, ein dunkler Brei, der sich tief in seinen Untergrund fressen würde.

*

Während die Stunden vorüberzogen, prägte sie sich jedes Detail, jede Kleinigkeit, jedes Dreckkrümelchen genau ein, um es später jederzeit wieder abrufen zu können. Sie lehnte am Geländer der Brücke, die über den Fluss aus der Stadt hinaus führte. Obwohl sie auf die Wasseroberfläche starrte, nahm sie nicht wahr, was sie sah.
Auf ihren Lippen blühte wunderschön das erfüllende Lächeln von Wahnsinn und Rache.

Mittwoch, 9. November 2016

Tanz

Herzklopfen, 
Schmetterlinge tanzen mit mir durch
den Regen über glitzernden 
Asphalt.
Mein Lächeln spiegelt sich
in Straßenpfützen
und den Augen der Punks, 
die am Bahnhof 
ihr Revier markieren. 
Neben Zigarettenkippen und
abgebrannt neben Jointstummeln
leuchtet verschwendet Zeit, 
die niemand zurückbringen kann.

Dienstag, 1. November 2016

Zugvögel

Als sie ihren Kopf aus dem Holzfenster streckte, konnte sie die Zugvögel hören. Schreihälse, die durch den Abend des ersten Novembers zogen und sich so unendlich viel zu berichten hatten.
Sie erzählten von Märchen, von großen Lieben und fremden Ländern, was sie in ihrem Sommer erlebt hatten und wem sie den Laufpass gegeben haben.
Ihr Gespräch kam als Schnattern in den Dörfern und Städten an, über die sie flogen. Die Flügel weit ausgebreitet, gegen Zugluft schützten Flaumfedern.
Für einen Augenblick schloss sie die Augen und wünschte sich, die Freiheit der Zugvögel auch in ihren Adern zu spüren. Einfach in die Nacht hinaus, dem Nachtwind entgegen, der sie auf Samtschwingen dorthin bringen würde, wo sie frei sein konnte.

Es duftete nach Regen, obwohl es den Tag über trocken, sogar sonnig gewesen war. Es duftete nach Herbst und Wintereinbruch, nach Pilzen, Moos, nassen Hunden und Spaziergängen über matschige Wiesen. Sie lächelte und trotz des kühlen ersten Novemberabends füllte sich ihr Körper von innen heraus mit Wärme.
Wie strubbelig ihre Haare doch gleich nach dem Wachwerden sind, dachte sie, noch immer an den Holzfensterrahmen gelehnt und musste beinahe im selben Moment lachen. "Sonst fällt dir nichts anderes zu mir ein?" , würde sie empört schnauben und ihre Augen groß aufreißen. Um ihre Mundwinkel würde ein Grinsen spielen, das sie nur mit Mühe unterdrücken könnte. Ein Kuss, tief und lang, oder vielleicht nur ein Stupser auf die Nase wäre ihre eigene Reaktion.
Ihre strubbeligen Haare... Sie kicherte leise, gerade so laut, dass sich auf der anderen Straßenseite eine Katze erschreckte und sie entsetzt anstarrte.
Ihre strubbelige Morgenfrisur kitzelte sie in der Nase, wenn sie aneinander gekuschelt den Morgen verstreichen ließen und über Wetter und Welt philosophierten. Autos hupten auf der Straßen, Rettungswagen fuhren den Berg hoch und runter, wahrscheinlich auf der Suche nach ihrem Patienten.
Was kümmert es uns, ging ihr durch den Kopf, während sie langsam den Griff des Holzfensters schloss. Schneidend war die Abendluft geworden, brannte ein wenig in Nase und Lungen.

Lass mich dir von Märchen und Heldinnen erzählen, von Wundern und Welten, in denen die verrückten die besten Menschen sind.

Sonntag, 18. September 2016

Ölgemälde

Wenn aus Nacht Tag wird,
wir ewig in Deckentürmen liegen und uns
vom Muhen der Kühe sanft in den Schlaf wiegen lassen, 
während vor dem Fenster Regen zeitlupengleich auf Ziegel 
tropft,
spüren wir
unser Leben
am meisten.
Wie auf einem Ölgemälde ruht mein Kopf
in deinem Schoß, 
oder dein Kopf in meinem, 
so genau kann ich mich nicht erinnern, 
an die Stunden des unendlichen Morgens.
Du streichst über mein Haar,
dein Blick verliert sich irgendwo.
Lächeln umspielt deine Lippen,
verliebt.
Du beugst dich zu mir hinab,
küsst mich liebevoll -
als ich die Augen wieder öffne,
ist es Abend.


Montag, 5. September 2016

Melodie

Manchmal hört man diese Melodie. Die man schon jahrelang nicht mehr gehört hat, oder noch vor wenigen Minuten auf den Ohren hatte. Man verharrt eine Sekunde in dem, was man gerade macht. Kochen, Autofahren, mit dem Hund im Wald herumstromern oder eine Zigarette rauchen.
Sie trifft mitten ins Herz, setzt den Verstand außer Kraft und schenkt Gänsehaut, die angenehm gruselig den Rücken überzieht. Fein stellen sich Armhärchen, irgendwie fühlen sich die Ohrspitzen warm an.
Erinnerungslücken durchziehen Gedankenströme, Gefühle schlagen Wellen, höher als Ozeane.

Diese eine Melodie.
Tagelang gehört, nächtelang geträumt.
Diese eine Melodie, die vielleicht zu genau dem einen Menschen gehört hat.
Und immer noch gehört, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Kann man Mensch und Melodie voneinander trennen, wenn sie erst zu einem geworden sind?
Erinnerungen löschen, die stundenlang Namen und Noten in Herzwände gegraben haben?
Diese eine Melodie, zur Seuche geworden, zum Methadon der Verliebten.

Sonntag, 21. August 2016

Luftballon

Ich sah dem Luftballon nach, der vom Wind immer weiter in den Himmel getragen wurde. Mal kippte er nach links, mal nach rechts, nur um in der nächsten Sekunde wieder schnurgerade aufzusteigen. Der Faden an seinem Ende bewegte sich mit den Luftströmungen, mir war, als würde er zum Abschied winken.

Es war September geworden, irgendwie.  Juni, Juli und August hatten sich davon geschlichen, auf Samtpfoten, stolz wie eine Perserkatze. 

Meinen Luftballon konnte ich kaum noch erkennen, ein Farbklecks am Himmelsgrau, so weit weg von der Erde.
Schauer überliefen mich, ich spürte, wie der Wind die Fährte einer einzelnen Träne auf meiner Wange nachzeichnete. Sie trocknete schnell und brannte sich mir doch tief in Herz und Seele. 

"Mama, wirst du mich immer lieb haben?"

Die Frage hallte in meinen Ohren, wieder und wieder sah ich mich, meinem Kind über seine 
Wuschelhaare streichend. 

"Ich werde dich immer lieb haben!"
"Auch in tausend Jahren noch?" Seine Frage war  so voll kindlicher Sorge, dass sich mein Hals zuschnürte.
"Auch in tausend Jahren noch!" Ich drückte ihm einen Kuss auf die Wange, er drehte den Kopf unwirsch weg, dachte kurz nach. Seine Stirn legte er dabei in Falten und sah für einen Moment aus, wie ein sehr kleiner, sehr alter Mann in Batman-Pyjama.

"Mama...und wenn ich tot bin, wirst du mich dann immer noch lieb haben?" Ich konnte sehen, wie seine Augen, weit aufgerissen und so unglaublich grün,  nass wurden und seine Nasenflügel zu beben begannen. 
"Ja, mein Schatz, auch wenn du tot bist, werde ich dich immer noch lieb haben!" 
"Gut!" Er nickte und schmiegte sich zufrieden in meine Arme, eine Träne rollte einsam seine Wange hinab und landete auf einem der vielen Schläuche, die seit einigen Monaten zu seinem Körper gehörten.
Ich sah auf das Kind, das sich in meine Arme kuschelte und schluckte. Schluckte einfach alles hinunter, was sich in diesem Augenblick in mir aufbäumte, ich schob es nach hinten. Weit nach hinten, die Zeit würde kommen, alles hinauszulassen, aller Wut, allen Tränen, all den zu vielen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Es war September geworden. Und zusammen mit den Herbstwinden war meine Zeit gekommen. Meine Zeit, loszulassen, zuzulassen. Mein Kind in Frieden ziehen zu lassen.
Ich sah ins Himmelsgrau hinauf zu der Stelle, an der ich meinen Luftballon zum letzten Mal gesehen hatte und weinte.

Montag, 25. Juli 2016

Lass mich dir den Sonnenaufgang zeigen

Lass mich dir den Sonnenaufgang zeigen, von meinem Teil der Stadt aus ist er noch schöner!
Sagte sie und ihr Blick entschweifte in die Gassen, deren Kopfsteinpflaster so krumm war, dass feine Damen in schnieken Sneakers langsam wie ihre Schatten wanderten, bis sie schließlich im Gewühl der Vorabendstadt entschwunden waren.
Sonnenstrahlen fingen sich auf ihrer Nasenspitze, flüssiges Rosé-Gold, Abendstimmung. Ein paar Haarsträhnen fielen ihr irgendwie in die Augen, wie zufällig wischte sie sie weg und stupste in einer Bewegung ihre Brille wieder ein Stück weiter den Nasenrücken hinauf. Ruhig und entspannt ging ihr Atem, wenn sie sie ganz genau betrachtete, konnte sie den leichten und feinen Puls ihrer Halsschlagader erkennen. Auf ihren Lippen kräuselte sich ein Lächeln, ganz Lebensfreude, ein Hauch Amüsement.
Schelmisch blitzten ihre Augen sie an, als wollten sie von tausend Geschichten erzählen, die gerade erst im Entstehen waren.
Du willst mir den Sonnenaufgang zeigen?
Sie griff nach ihrer Hand, zart süß fühlte sich die Berührung an, die einen Moment prickelte wie Sprudelperlen.
Komm, ich zeig's dir!

Sonntag, 17. Juli 2016

Kalte Tränen

Man steht voreinander, irgendwie wort- und atemlos. Stille umfängt das Schweigen, das vielleicht behaglich und vertraut sein sollte. Blicke streifen über Autos und verlieren sich im Sommerwind, der verheißungsvoll über nackte Knie streicht. Hände berühren sich, Schultern lehnen aneinander, Herzschlag. Im Einklang und doch soweit auseinander, fast schon eine Zeitzone entfernt. Man redet und lacht trocken, Worte lallen lippenlos durch Luft, finden Gehör. Irgendwo riecht es nach Regen, frisch und süß, es kühlt ab. Auf  der Autobahn wird der Verkehr allmählich ruhiger, Feierabendstimmung im Land des rollenden Blechs.
Gedanken verflüssigen sich wie Schokolade in der Sonne. Sie entkommen in kalten Tränen, die langsam an Nasenflügeln hinabgleiten.
Man steht sich gegenüber, irgendwie fremd und doch ungewohnt vertraut.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Maskenhaft

Ich sitze vorm Spiegel, bequem, naja halbwegs.  Mein Gesicht starrt mir entgegen, die Haare streng zurückgesteckt,die stören nur.
Sagt sie.
Nachdem sie mir den Umhang um die Schultern gelegt hatte, kam sie mit den Haarklammern. Zack. Zack.
Weg mit den Strähnen.
Nackt fühlen sich meine Schläfen an,ohne ihren Schmuck. Ich sehe mir selbst ruhig in die Augen,während ich den Blick über mein Gesicht gleiten lasse.
Wangen,Nase,Kinn,Mund.
Ernst und irgendwie verstimmt bis schlecht gelaunt,diagnostiziere ich. Irgendeine der Stimmen in meinem Kopf applaudiert. Wow,welche Erkenntnis, dazu musst du erst drei Minuten dein Spiegelbild anglotzen?
Ich versuche,den sarkastischen Ton zu ignorieren, gar nicht so einfach.
Ich könnte mal wieder meine Augenbrauen rupfen,fällt mir auf. Härchen wuchern bereits außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs. Okay,morgen!, verspreche ich meinem Spiegelbild. Es scheint nicht sonderlich beeindruckt davon, der schlecht gelaunte Ausdruck hält an. Ja,so langsam gleicht sich meine Laune wirklich der Mimik an.
Probeweise verziehe ich die Mund-Wangen-Kinn-Partie zu einem Lächeln: nein,beim besten Willen,es fühlt sich mehr als falsch an. Schnell wieder zurück zu ernst und verstimmt.
Meine Nase läuft,ich schniefe halbherzig. Woher kommen eigentlich die Pickel auf der Stirn? Gestern Abend waren die noch nicht da. Oder doch?
Weg ist die Erinnerung an mein Gesicht von vor 11 Stunden beinahe wie ausgelöscht.
Ist auch egal,versuche ich das Tosen meines Erinnerungsvermögens zu beruhigen.
Egal. Alles egal. Kein Lächeln, nur Neutralität und Ernsthaftigkeit.
"The importance of being earnest" von Oscar Wilde kommt mir in den Sinn; könnte ich mal wieder lesen.
Bist du bereit?, will sie von mir wissen, platzt mitten in meinen monologartigen Gedankendialog hinein.
Ich nicke, irgendwie.  Es geht los.
Langsam aber sicher kehrt ein Lächeln in mein Gesicht zurück, mit dicken schwarzen Linien und kirschsignalroten Lippen. Falschen Wimpern und Stargategrün um die Augen.
Meine Mund-Wangen-Kinn-Partie ist bewegungs- und regungslos, ich verziehe keine Miene,obwohl ich bis über beide Ohren grinse.
Sie hat mir ein Lächeln angezogen.