Ich ging heute durch die Stadt,
und es war unendlich kalt.
Vielleicht war es die erste Nacht weit unter
null Grad gewesen,
vielleicht waren aber auch schon
drei oder vier dahingezogen.
Tief in meine Jacke vergraben
blinzelte ich in die Sonnenstrahlen,
die gerade zwischen LKWs und
Häuserfronten irgendwie
staubig hervortraten.
Beinahe diesig war der Morgen,
erst vor wenigen Minuten angebrochen.
In der Hektik der Stadt,
in der Hektik des Montags ging seine
Schönheit unter.
Menschen übersahen den Zauber,
dieses ganz besondere Gefühl,
das sich manchmal über Montagmorgen
legte.
Ich atmete tief ein,
frisch füllten sich meine Lungenflügel
mit Sauerstoff.
Einer Droge gleich rann er durch
Adern, versetzte meinen Körper mit
Endorphinen, beflügelte
auf leichte und sanfte Art meine
Seele.
Eiskalt schmeckte die Luft auf meinen
Lippen;
irgendwie genoss ich ihn,
diesen Geschmack nach frischer Luft.
Nach Eisluft, in der sich kleine Kristalle fanden,
vom Wind umhergewirbelt.
"Als würde man Eiswasser trinken", dachte ich
und schluckte einen Mundvoll
Trockenheit und Kälte hinunter.
Eiswasser.... Für eine Sekunde schloss ich die Augen.
Mir war, als wäre mein Mund voll flüssiger
Kälte, die wie tausend Perlen in
Zahnfleisch und Zähne stach und mich
gleichzeitig mit ihrem
Geschmack unwiderstehlich lockte.
Eiswasser, frisch und rein,
so klar wie Bergseen und mit dem
Duft erholsamen Regens.
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Montag, 14. November 2016
Eiswasser-Eisluft
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Freitag, 11. November 2016
Jack The Ripper
Es ist noch unglaublich früh, niemand sollte um diese Uhrzeit unterwegs sein, geschweige denn wach. Straßenlaternen erhellen den anbrechenden Tag, der sich langsam und ungemütlich seinen Weg durch Regenschleier bahnt.
Auf den Asphaltwegen der Stadt rollen die Blechlawinen, der erste Andrang ist inzwischen vorüber, die ersten Menschen schlürfen vielleicht gerade den zweiten und dritten Schluck Kaffee aus schlecht gewaschenen Bürotassen.
Sie zwirbelt an der Schnur der Kopfhörer, wie immer haben sich über Nacht wahre Knotenrudel in die schwarzen Kabel hineingewunden. Sie seufzt, ihre Finger sind eiskalt und das Entwirren fällt ihr schwer.
Scheiße!, flucht sie und umrundet eine Pfütze, die sie gerade so aus den Augenwinkeln entdecken konnte. Was für ein Morgen!, flüstert ihr durch den Kopf, als sie an der Bushaltestelle vorbeigeht und stumm Augenpaare ihr hinterher starren.
Erst waren beinahe zwei LWK mit ihrem Wagen kollidiert, dann hatte sie auf der Bundesstraße fast einen Fuchs überfahren. Zwei rote Ampeln und mehrere Flüche später parkte sie auf dem großen Parkplatz, wo man sie inzwischen tagtäglich antreffen konnte. Die Werkstatt gegenüber kam ihr schon vor wie unmittelbare Nachbarschaft, sie und die Arbeiter nickten sich zu, vielleicht konnte man im Sommer mal ein Bier zusammen trinken.
Tief hatte sie durchgeatmet, ehe sie den Rucksack auf den Rücken gezogen und auf die Fernbedienung des Autos gedrückt hatte.
Von ferne sah sie das Industriefeuer, das sie als Kind so fasziniert hatte. Wolkenschleier schoben sich vor die Flamme, die blaugrüngelbrot in die zu Ende gehende Nacht flackerte. Ein letzter Blick in die Fenster ihres Wagens, einmal das Spiegelbild überprüfen. Sie lachte, unwillkürlich.
Verdammt, war das kalt! Sie zittert, so sehr, dass sie ein klein wenig von ihrem Kaffee verschlabbert, den sie im Coffee to go - Becher vor sich her balanciert. Oder sich daran wärmt, je nachdem. Ein Bild für die Götter, wahrscheinlich. In der einen Hand, rechts, das Smartphone mit den endlos verquirlten Kopfhörern, in der anderen Hand, links, Kaffee. Halb dampfend, halb gefrierend, lebensnotwendig.
Sie nimmt einen Schluck der Koffeinbrühe, schließt die Augen, als sie das Elixier hinunterschluckt. Bitter und ungesüßt rinnt es ihren Hals hinunter, so wie sie es mag.
"She's been lonely and forgotten ever since/
But her beauty in the night light will remain"
Die beiden Zeilen aus Volbeats "Mary Jane Kelly" kommen ihr in den Sinn, im Kopf summt sie die Melodie mit.
Was für eine schöne Idee, einen Song über ein Opfer Jack the Rippers zu schreiben.
Sie lächelt.
1888 kann sie in Ziffern vor ihrem inneren Auge lesen - eigentlich war es eine spannende Zeit gewesen damals. Nicht anders als heute, irgendwie.
Mord, Totschlag, Krieg. Nichts Weltbewegendes und doch dreht sich der blaue Planet unaufhörlich, Jahr für Jahr.
In ihre Gedanken hinein rauscht der Zug, für den sie heute mitten in der Nacht aufgestanden ist. Niemand sollte um diese Uhrzeit unterwegs sein!
Auf den Asphaltwegen der Stadt rollen die Blechlawinen, der erste Andrang ist inzwischen vorüber, die ersten Menschen schlürfen vielleicht gerade den zweiten und dritten Schluck Kaffee aus schlecht gewaschenen Bürotassen.
Sie zwirbelt an der Schnur der Kopfhörer, wie immer haben sich über Nacht wahre Knotenrudel in die schwarzen Kabel hineingewunden. Sie seufzt, ihre Finger sind eiskalt und das Entwirren fällt ihr schwer.
Scheiße!, flucht sie und umrundet eine Pfütze, die sie gerade so aus den Augenwinkeln entdecken konnte. Was für ein Morgen!, flüstert ihr durch den Kopf, als sie an der Bushaltestelle vorbeigeht und stumm Augenpaare ihr hinterher starren.
Erst waren beinahe zwei LWK mit ihrem Wagen kollidiert, dann hatte sie auf der Bundesstraße fast einen Fuchs überfahren. Zwei rote Ampeln und mehrere Flüche später parkte sie auf dem großen Parkplatz, wo man sie inzwischen tagtäglich antreffen konnte. Die Werkstatt gegenüber kam ihr schon vor wie unmittelbare Nachbarschaft, sie und die Arbeiter nickten sich zu, vielleicht konnte man im Sommer mal ein Bier zusammen trinken.
Tief hatte sie durchgeatmet, ehe sie den Rucksack auf den Rücken gezogen und auf die Fernbedienung des Autos gedrückt hatte.
Von ferne sah sie das Industriefeuer, das sie als Kind so fasziniert hatte. Wolkenschleier schoben sich vor die Flamme, die blaugrüngelbrot in die zu Ende gehende Nacht flackerte. Ein letzter Blick in die Fenster ihres Wagens, einmal das Spiegelbild überprüfen. Sie lachte, unwillkürlich.
Verdammt, war das kalt! Sie zittert, so sehr, dass sie ein klein wenig von ihrem Kaffee verschlabbert, den sie im Coffee to go - Becher vor sich her balanciert. Oder sich daran wärmt, je nachdem. Ein Bild für die Götter, wahrscheinlich. In der einen Hand, rechts, das Smartphone mit den endlos verquirlten Kopfhörern, in der anderen Hand, links, Kaffee. Halb dampfend, halb gefrierend, lebensnotwendig.
Sie nimmt einen Schluck der Koffeinbrühe, schließt die Augen, als sie das Elixier hinunterschluckt. Bitter und ungesüßt rinnt es ihren Hals hinunter, so wie sie es mag.
"She's been lonely and forgotten ever since/
But her beauty in the night light will remain"
Die beiden Zeilen aus Volbeats "Mary Jane Kelly" kommen ihr in den Sinn, im Kopf summt sie die Melodie mit.
Was für eine schöne Idee, einen Song über ein Opfer Jack the Rippers zu schreiben.
Sie lächelt.
1888 kann sie in Ziffern vor ihrem inneren Auge lesen - eigentlich war es eine spannende Zeit gewesen damals. Nicht anders als heute, irgendwie.
Mord, Totschlag, Krieg. Nichts Weltbewegendes und doch dreht sich der blaue Planet unaufhörlich, Jahr für Jahr.
In ihre Gedanken hinein rauscht der Zug, für den sie heute mitten in der Nacht aufgestanden ist. Niemand sollte um diese Uhrzeit unterwegs sein!
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Mittwoch, 9. November 2016
Tanz
Herzklopfen,
Schmetterlinge tanzen mit mir durch
den Regen über glitzernden
Asphalt.
Mein Lächeln spiegelt sich
in Straßenpfützen
und den Augen der Punks,
die am Bahnhof
ihr Revier markieren.
Neben Zigarettenkippen und
abgebrannt neben Jointstummeln
leuchtet verschwendet Zeit,
die niemand zurückbringen kann.
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Dienstag, 1. November 2016
Zugvögel
Als sie ihren Kopf aus dem Holzfenster streckte, konnte sie die Zugvögel hören. Schreihälse, die durch den Abend des ersten Novembers zogen und sich so unendlich viel zu berichten hatten.
Sie erzählten von Märchen, von großen Lieben und fremden Ländern, was sie in ihrem Sommer erlebt hatten und wem sie den Laufpass gegeben haben.
Ihr Gespräch kam als Schnattern in den Dörfern und Städten an, über die sie flogen. Die Flügel weit ausgebreitet, gegen Zugluft schützten Flaumfedern.
Für einen Augenblick schloss sie die Augen und wünschte sich, die Freiheit der Zugvögel auch in ihren Adern zu spüren. Einfach in die Nacht hinaus, dem Nachtwind entgegen, der sie auf Samtschwingen dorthin bringen würde, wo sie frei sein konnte.
Es duftete nach Regen, obwohl es den Tag über trocken, sogar sonnig gewesen war. Es duftete nach Herbst und Wintereinbruch, nach Pilzen, Moos, nassen Hunden und Spaziergängen über matschige Wiesen. Sie lächelte und trotz des kühlen ersten Novemberabends füllte sich ihr Körper von innen heraus mit Wärme.
Wie strubbelig ihre Haare doch gleich nach dem Wachwerden sind, dachte sie, noch immer an den Holzfensterrahmen gelehnt und musste beinahe im selben Moment lachen. "Sonst fällt dir nichts anderes zu mir ein?" , würde sie empört schnauben und ihre Augen groß aufreißen. Um ihre Mundwinkel würde ein Grinsen spielen, das sie nur mit Mühe unterdrücken könnte. Ein Kuss, tief und lang, oder vielleicht nur ein Stupser auf die Nase wäre ihre eigene Reaktion.
Ihre strubbeligen Haare... Sie kicherte leise, gerade so laut, dass sich auf der anderen Straßenseite eine Katze erschreckte und sie entsetzt anstarrte.
Ihre strubbelige Morgenfrisur kitzelte sie in der Nase, wenn sie aneinander gekuschelt den Morgen verstreichen ließen und über Wetter und Welt philosophierten. Autos hupten auf der Straßen, Rettungswagen fuhren den Berg hoch und runter, wahrscheinlich auf der Suche nach ihrem Patienten.
Was kümmert es uns, ging ihr durch den Kopf, während sie langsam den Griff des Holzfensters schloss. Schneidend war die Abendluft geworden, brannte ein wenig in Nase und Lungen.
Lass mich dir von Märchen und Heldinnen erzählen, von Wundern und Welten, in denen die verrückten die besten Menschen sind.
Sie erzählten von Märchen, von großen Lieben und fremden Ländern, was sie in ihrem Sommer erlebt hatten und wem sie den Laufpass gegeben haben.
Ihr Gespräch kam als Schnattern in den Dörfern und Städten an, über die sie flogen. Die Flügel weit ausgebreitet, gegen Zugluft schützten Flaumfedern.
Für einen Augenblick schloss sie die Augen und wünschte sich, die Freiheit der Zugvögel auch in ihren Adern zu spüren. Einfach in die Nacht hinaus, dem Nachtwind entgegen, der sie auf Samtschwingen dorthin bringen würde, wo sie frei sein konnte.
Es duftete nach Regen, obwohl es den Tag über trocken, sogar sonnig gewesen war. Es duftete nach Herbst und Wintereinbruch, nach Pilzen, Moos, nassen Hunden und Spaziergängen über matschige Wiesen. Sie lächelte und trotz des kühlen ersten Novemberabends füllte sich ihr Körper von innen heraus mit Wärme.
Wie strubbelig ihre Haare doch gleich nach dem Wachwerden sind, dachte sie, noch immer an den Holzfensterrahmen gelehnt und musste beinahe im selben Moment lachen. "Sonst fällt dir nichts anderes zu mir ein?" , würde sie empört schnauben und ihre Augen groß aufreißen. Um ihre Mundwinkel würde ein Grinsen spielen, das sie nur mit Mühe unterdrücken könnte. Ein Kuss, tief und lang, oder vielleicht nur ein Stupser auf die Nase wäre ihre eigene Reaktion.
Ihre strubbeligen Haare... Sie kicherte leise, gerade so laut, dass sich auf der anderen Straßenseite eine Katze erschreckte und sie entsetzt anstarrte.
Ihre strubbelige Morgenfrisur kitzelte sie in der Nase, wenn sie aneinander gekuschelt den Morgen verstreichen ließen und über Wetter und Welt philosophierten. Autos hupten auf der Straßen, Rettungswagen fuhren den Berg hoch und runter, wahrscheinlich auf der Suche nach ihrem Patienten.
Was kümmert es uns, ging ihr durch den Kopf, während sie langsam den Griff des Holzfensters schloss. Schneidend war die Abendluft geworden, brannte ein wenig in Nase und Lungen.
Lass mich dir von Märchen und Heldinnen erzählen, von Wundern und Welten, in denen die verrückten die besten Menschen sind.
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Montag, 24. Oktober 2016
Sie schämt sich
Menschen strömen an ihr vorbei, der ein oder andere wirft ihr vielleicht einen Blick zu. Oder auch zwei, je nachdem.
Sie schämt sich. Für das, was sie ist. Für das, wofür sie steht. Sie schämt sich, wie sie auf dem Boden sitzt, einen Pappkarton unter dem Po, ein Kaffeebecher vor ihren Knien. Die rechte Hand nach vorne gestreckt, hin und her wippend, ein Flehen in den Augen.
Der Morgen lief gut. Sie überlegt kurz, welches Datum wohl dick in den Kalendern der Geschäftsmenschen steht, die Aktentaschen schwenkend an ihr vorüber hetzen. Wahrscheinlich gab es vor ein paar Tagen Gehalt, denkt sie, während sie wie in Trance den Rotz unter ihrer Nase wegwischt. Natürlich mit dem Ärmel ihrer viel zu fadenscheinigen Jacke, die noch nicht einmal der ersten Herbstkälte Ende August standhalten konnte.
Zehn Euro und ein bisschen was zählt sie aus den Augenwinkeln in ihrem Kaffeebecher zusammen. Ungehört dringt ein Seufzen aus ihren Lippen, verhallt tonlos zwischen grauen Wolken und den Häuserfronten der Einkaufsmeile.
Ihr Bein kribbelt, irgendwie ignoriert sie es, weil sie weiß, der Schmerz, wenn es wieder wach wird, wird umso schlimmer sein. Alltägliche Mühen, geht ihr süßlich durch den Kopf. Bilder von Familienidylle, Sonntagmorgenfrühstück und Friede-Freude-Eierkuchen folgen.
Grau. Grau ist der Regen, der auf die Sraße platscht und sich in Pfützen sammelt, um unangenehm als Spritzwasser unter Stiefeln und Sneakers hervor zu watschen. Es müffelt nach nassen Hunden, durchweicht nach Socken und irgendwie abgestanden nach Stadt.
Sie verzieht das Gesicht und schaut einer jungen Frau dabei zu, wie sie versucht, Coffee to go, Regenschirm und Smartphone samt Kopfhörern zu koordinieren. Selbst als sie weg ist, folgt ihr Blick dem schwarzen Mantel durch den grauen Tag, ihr Hüftschwung erinnert sie ein wenig an sie. Damals.
Münzen klirren, Metall auf aufgequollener Pappe, eher ein Ploppen. Sie sieht auf, Gestalten, unförmig in Jacken gehüllt, beugen sich zu ihr, reden mit ihr. Reden mit ihr? Vielleicht. Oder doch nicht. Sie weiß es gar nicht, erkennt nur, wie Münder sich öffnen und schließen. Ob Worte herauskommen und die an sie gerichtet sind... Sie nimmt den Unterschied schon lange nicht mehr wahr.
Von ferne hört sie, wie ihre eigenen Lippen Wortklumpen hervorwürgen, in der Sprache, die sie verabscheut.
Sie schämt sich, und streckt der Stadt voller Trotz die wippende Hand entgegen.
Sie schämt sich. Für das, was sie ist. Für das, wofür sie steht. Sie schämt sich, wie sie auf dem Boden sitzt, einen Pappkarton unter dem Po, ein Kaffeebecher vor ihren Knien. Die rechte Hand nach vorne gestreckt, hin und her wippend, ein Flehen in den Augen.
Der Morgen lief gut. Sie überlegt kurz, welches Datum wohl dick in den Kalendern der Geschäftsmenschen steht, die Aktentaschen schwenkend an ihr vorüber hetzen. Wahrscheinlich gab es vor ein paar Tagen Gehalt, denkt sie, während sie wie in Trance den Rotz unter ihrer Nase wegwischt. Natürlich mit dem Ärmel ihrer viel zu fadenscheinigen Jacke, die noch nicht einmal der ersten Herbstkälte Ende August standhalten konnte.
Zehn Euro und ein bisschen was zählt sie aus den Augenwinkeln in ihrem Kaffeebecher zusammen. Ungehört dringt ein Seufzen aus ihren Lippen, verhallt tonlos zwischen grauen Wolken und den Häuserfronten der Einkaufsmeile.
Ihr Bein kribbelt, irgendwie ignoriert sie es, weil sie weiß, der Schmerz, wenn es wieder wach wird, wird umso schlimmer sein. Alltägliche Mühen, geht ihr süßlich durch den Kopf. Bilder von Familienidylle, Sonntagmorgenfrühstück und Friede-Freude-Eierkuchen folgen.
Grau. Grau ist der Regen, der auf die Sraße platscht und sich in Pfützen sammelt, um unangenehm als Spritzwasser unter Stiefeln und Sneakers hervor zu watschen. Es müffelt nach nassen Hunden, durchweicht nach Socken und irgendwie abgestanden nach Stadt.
Sie verzieht das Gesicht und schaut einer jungen Frau dabei zu, wie sie versucht, Coffee to go, Regenschirm und Smartphone samt Kopfhörern zu koordinieren. Selbst als sie weg ist, folgt ihr Blick dem schwarzen Mantel durch den grauen Tag, ihr Hüftschwung erinnert sie ein wenig an sie. Damals.
Münzen klirren, Metall auf aufgequollener Pappe, eher ein Ploppen. Sie sieht auf, Gestalten, unförmig in Jacken gehüllt, beugen sich zu ihr, reden mit ihr. Reden mit ihr? Vielleicht. Oder doch nicht. Sie weiß es gar nicht, erkennt nur, wie Münder sich öffnen und schließen. Ob Worte herauskommen und die an sie gerichtet sind... Sie nimmt den Unterschied schon lange nicht mehr wahr.
Von ferne hört sie, wie ihre eigenen Lippen Wortklumpen hervorwürgen, in der Sprache, die sie verabscheut.
Sie schämt sich, und streckt der Stadt voller Trotz die wippende Hand entgegen.
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Sonntag, 23. Oktober 2016
Hörst du?
Hörst du den Wind ums Haus schleichen?
Hörst du die Katze des Nachbarn Mäuse jagen?
Siehst du den Nebel am Morgen, der sich sanft aus Baumwipfeln erhebt?
Hast du mal vom Morgentau gekostet, der glasfarben auf Wiesen glüht?
Erinnerst du dich noch wie es als Kind war, das erste Mal im Sommer barfuß über den Asphalt zu laufen?
Schmeckst du noch lieblich Zuckerwatte vom Jahrmarkt auf deinen Lippen?
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Donnerstag, 20. Oktober 2016
Artcore
Konzentriert,
mit ruhigem Atem und stetem Blick surrt leise die Maschine unter
seinen Händen. Winzig sind die Nadeln; ihr Vibrieren geht unter die
Haut. Zusammen mit Blau, Schwarz, Grün und vielleicht einem Hauch
Rot, eher Sonnenuntergangfarben.
Behutsam,
wie ein Künstler über seine Leinwand, streicht er über sein Werk,
seine Spielwiese.
Linien,
Muster, Flächen, Farben. Seiner Fantasie entsprungen, irgendwoher
geschenkt. Woher genau weiß er vielleicht selbst nicht, eine Gabe.
Er
hält einen Moment inne, betrachtet seine Arbeit. Outlines, Inlines,
Impro.
In
der Rechten die Maschine, sein Pinsel, in der Linken ein
farbgetränktes Zewa – Wisch und Weg. Der Farbüberschuss
hinterlässt Schlieren, wie Autoreifen auf Asphalt.
Sein
Bart ist schwarz und gepflegt, in den Haaren, die unter seiner Mütze
hervorschauen, schimmert ein Glanz in Braungold mit. Nasenring und
Tunnels in den Ohren passen zueinander – schwarz, matt, unmarkant.
„Geht‘s?
Sorry, ich mache das nicht mit Absicht, das ist halt einfach so...“
Irgendwie spielt um seine Mundwinkel trotzdem ein Lächeln –
sympathisch.
Das
Surren zieht sich durch Raum und Stunden, wie das Ticken einer Uhr,
einprägsam.
Wie
die Farbe, die Millionen seiner Nadeln unter Haut stechen.
Ein
Kunstwerk, bezahlt mit Blut und Schmerz – Farbe für Blut.
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Mittwoch, 19. Oktober 2016
Im Regen zu tanzen
Herbstwind streicht mir durchs Haar, hinterlässt Gänsehaut auf meinen Wangen. Ich lächle der Sonne entgegen, die alles warm in Licht taucht, meine Augen blendet und irgendwie auch meinen Blick trübt.
Für eine Sekunde schließe ich die Augen, atme tief in den Herbst hinein. Irgendwann, zwischen April und Juli ist Oktober geworden.
Goldener Oktober, denke ich, während mir das Gestern durch den Kopf geht.
Schmuddelwetter, Regen, Dunkelheit. Den Tag über war es nicht wirklich hell geworden, ungemütlich und braungrau.
Beim Blick aus dem Fenster tanzten Schirme wie Konfetti durch die Straßen, Menschen patschten missmutig durch Regenpfützen.
Ich öffne die Augen wieder, Sonnenreflexe in den Augenwinkeln. Kühl ist es, der Duft von frischgeröstete Maronen dringt an meine Nase.
Um mich herum treibt Hektik Menschen voran; mit Tüten und Sorgen beladen ziehen sie an mir vorbei, verkrampfte Gesichter.
Irgendwie freudlos.
Aus ihrer Menge steche ich hervor. Eine Insel Mensch im Schneidersitz auf einer Parkbank im Stadtzentrum.
Blätter fliegen quer über Hauptstraßen, braungelb, ein Hauch Grün ist noch in ihnen. Ehe sie auf der Windschutzscheibe eines LKWs landen, sehe ich ihnen nach, beobachte kurz ihr Spiel im Wind.
So leicht wie das tanzende Laub fühlt sich mein Herz an. Warm und sonnig, als würden Sonnenstrahlen es umwinden, mir den Sommer in Körper und Gedanken zaubern.
Lass mich singen, lass mich tanzen, tirillieren Frühlingsstimmen in meinem Kopf.
Ich atme mit dem Wind, fliege mit den Blättern und schicke mein Herz auf eine Reise.
Zu ihr.
Zu ihr allein, wo Sommer herrscht, wo Sonne Haut wärmt und eine Brise lau über meine Haare streicht.
Regentropfen, kühl und nass, unterbrechen meie Herzreise - für einen Moment. Ich schaue auf, um mich herum ist es leerer geworden, Regenschirmkonfetti sprenkelt sich hier und da schon durch die Straßen.
Ein Lächeln spannt sich über mein Gesicht wie ein Regenbogen sich glänzend über Wälder und Dörfer spannt. Ich kehre zurück zu ihr, zu meinem Herzen voller Sommer.
Erst als der Regen strömt, erhebe ich mich, langsam, um im Takt der Regentropfen unter den dunkelhellen Wolken zu tanzen.
Für eine Sekunde schließe ich die Augen, atme tief in den Herbst hinein. Irgendwann, zwischen April und Juli ist Oktober geworden.
Goldener Oktober, denke ich, während mir das Gestern durch den Kopf geht.
Schmuddelwetter, Regen, Dunkelheit. Den Tag über war es nicht wirklich hell geworden, ungemütlich und braungrau.
Beim Blick aus dem Fenster tanzten Schirme wie Konfetti durch die Straßen, Menschen patschten missmutig durch Regenpfützen.
Ich öffne die Augen wieder, Sonnenreflexe in den Augenwinkeln. Kühl ist es, der Duft von frischgeröstete Maronen dringt an meine Nase.
Um mich herum treibt Hektik Menschen voran; mit Tüten und Sorgen beladen ziehen sie an mir vorbei, verkrampfte Gesichter.
Irgendwie freudlos.
Aus ihrer Menge steche ich hervor. Eine Insel Mensch im Schneidersitz auf einer Parkbank im Stadtzentrum.
Blätter fliegen quer über Hauptstraßen, braungelb, ein Hauch Grün ist noch in ihnen. Ehe sie auf der Windschutzscheibe eines LKWs landen, sehe ich ihnen nach, beobachte kurz ihr Spiel im Wind.
So leicht wie das tanzende Laub fühlt sich mein Herz an. Warm und sonnig, als würden Sonnenstrahlen es umwinden, mir den Sommer in Körper und Gedanken zaubern.
Lass mich singen, lass mich tanzen, tirillieren Frühlingsstimmen in meinem Kopf.
Ich atme mit dem Wind, fliege mit den Blättern und schicke mein Herz auf eine Reise.
Zu ihr.
Zu ihr allein, wo Sommer herrscht, wo Sonne Haut wärmt und eine Brise lau über meine Haare streicht.
Regentropfen, kühl und nass, unterbrechen meie Herzreise - für einen Moment. Ich schaue auf, um mich herum ist es leerer geworden, Regenschirmkonfetti sprenkelt sich hier und da schon durch die Straßen.
Ein Lächeln spannt sich über mein Gesicht wie ein Regenbogen sich glänzend über Wälder und Dörfer spannt. Ich kehre zurück zu ihr, zu meinem Herzen voller Sommer.
Erst als der Regen strömt, erhebe ich mich, langsam, um im Takt der Regentropfen unter den dunkelhellen Wolken zu tanzen.
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Dienstag, 27. September 2016
Die Welt ausschalten
Wenn man Gedanken freien Lauf lässt,
Verflüchtigen sie sich irgendwann,
Bis nur noch Traumblasen existieren.
Donnerstag, 22. September 2016
Über
Über der Stadt,
Die längst ruht.
Über Dächern,
Die schon lange kein Heim
Mehr sind.
Ein Meer aus verbrannten Ziegeln
Wogt unter meinen Füßen.
Dachpappe, auf der ein
Paar Sprayer ihre
Tags verewigt haben -
Grellgrau.
Die längst ruht.
Über Dächern,
Die schon lange kein Heim
Mehr sind.
Ein Meer aus verbrannten Ziegeln
Wogt unter meinen Füßen.
Dachpappe, auf der ein
Paar Sprayer ihre
Tags verewigt haben -
Grellgrau.
Sonntag, 18. September 2016
Ölgemälde
Wenn aus Nacht Tag wird,
wir ewig in Deckentürmen liegen und uns
vom Muhen der Kühe sanft in den Schlaf wiegen lassen,
während vor dem Fenster Regen zeitlupengleich auf Ziegel
tropft,
spüren wir
unser Leben
am meisten.
Wie auf einem Ölgemälde ruht mein Kopf
in deinem Schoß,
oder dein Kopf in meinem,
so genau kann ich mich nicht erinnern,
an die Stunden des unendlichen Morgens.
Du streichst über mein Haar,
dein Blick verliert sich irgendwo.
Lächeln umspielt deine Lippen,
verliebt.
Du beugst dich zu mir hinab,
küsst mich liebevoll -
als ich die Augen wieder öffne,
ist es Abend.
Du streichst über mein Haar,
dein Blick verliert sich irgendwo.
Lächeln umspielt deine Lippen,
verliebt.
Du beugst dich zu mir hinab,
küsst mich liebevoll -
als ich die Augen wieder öffne,
ist es Abend.
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Wochenende
Freitag, 16. September 2016
Stadt im Regen
Ich ging heute durch die Stadt.
Es regnete und ich hatte weder Schirm noch
Kopfhörer bei mir.
Tief in meine Weste gekuschelt folgte ich
meinen Füßen, die auf dem Nass des Bodens leicht dahinglitten.
Aus dem Sommer war inzwischen September geworden,
auch er war schon zur Hälfte vorbei.
Es duftete nach Stadtherbst, nach Blätternass
und Brezelschwaden,
nach Coffee to go und
neuen Schuhlieferungen bei Deichmann.
So frisch dekoriert sahen die Schaufenster
nett aus, hübsch und adrett,
Stolperfallen einer heruntergekommenen Konsum-
gesellschaft. Ich warf ihnen nur einen Blick zu
und vergaß im nächsten Atemzug, was ich ich
gesehen hatte.
Oktoberfest war die Jahreszeit,
die die Menschen gerade feierten.
Weißwurst, Bierzelte, Weißblaue Rauten überall -
Fremdenscham statt Fremdenhass.
Meine Gedanken gingen zusammen mit mir spazieren,
als ich heute im Regen durch die Stadt lief,
ich atmete durch. Ließ jede Gedankennuance
zu Wort kommen, spürte jeder Illusion beinahe sehnsüchtig nach.
Menschen kamen mir entgegen,
ihre Gesichter irgendwie griesgrämig und eintönig,
dabei war der Regen so frisch und leicht.
Es war der erste Tag seit langem, der sich
Grau in Grau in Grau in Grau
präsentierte und nicht so richtig hell werden wollte.
Ich sah in die Gesichter des Menschenstroms,
gegen den ich schwamm, suchte nach Blicken,
nach Worten, nach Lächeln.
Ich suchte vielleicht nach Regungen menschlichen Daseins,
vielleicht ließ ich mich aber auch nur dahintreiben.
Ein Blatt im Wind,
ein Ast im Fluss,
eine Fliege im Spinnennetz.
Ich hielt einen Moment inne, ordnete meine Gedanken,
schüttelte den Kopf und ging weiter.
Nass waren meine Schuhspitzen inzwischen,
möglicherweise hätte ich nicht gerade weiße Stoffsneaker anziehen sollen,
heute morgen.
Vor einer Ewigkeit.
Ich ging durch die Stadt,
im Regen, während ich Menschen ansah und meine
Gedanken an der Hand neben mir spazieren führte.
Es regnete und ich hatte weder Schirm noch
Kopfhörer bei mir.
Tief in meine Weste gekuschelt folgte ich
meinen Füßen, die auf dem Nass des Bodens leicht dahinglitten.
Aus dem Sommer war inzwischen September geworden,
auch er war schon zur Hälfte vorbei.
Es duftete nach Stadtherbst, nach Blätternass
und Brezelschwaden,
nach Coffee to go und
neuen Schuhlieferungen bei Deichmann.
So frisch dekoriert sahen die Schaufenster
nett aus, hübsch und adrett,
Stolperfallen einer heruntergekommenen Konsum-
gesellschaft. Ich warf ihnen nur einen Blick zu
und vergaß im nächsten Atemzug, was ich ich
gesehen hatte.
Oktoberfest war die Jahreszeit,
die die Menschen gerade feierten.
Weißwurst, Bierzelte, Weißblaue Rauten überall -
Fremdenscham statt Fremdenhass.
Meine Gedanken gingen zusammen mit mir spazieren,
als ich heute im Regen durch die Stadt lief,
ich atmete durch. Ließ jede Gedankennuance
zu Wort kommen, spürte jeder Illusion beinahe sehnsüchtig nach.
Menschen kamen mir entgegen,
ihre Gesichter irgendwie griesgrämig und eintönig,
dabei war der Regen so frisch und leicht.
Es war der erste Tag seit langem, der sich
Grau in Grau in Grau in Grau
präsentierte und nicht so richtig hell werden wollte.
Ich sah in die Gesichter des Menschenstroms,
gegen den ich schwamm, suchte nach Blicken,
nach Worten, nach Lächeln.
Ich suchte vielleicht nach Regungen menschlichen Daseins,
vielleicht ließ ich mich aber auch nur dahintreiben.
Ein Blatt im Wind,
ein Ast im Fluss,
eine Fliege im Spinnennetz.
Ich hielt einen Moment inne, ordnete meine Gedanken,
schüttelte den Kopf und ging weiter.
Nass waren meine Schuhspitzen inzwischen,
möglicherweise hätte ich nicht gerade weiße Stoffsneaker anziehen sollen,
heute morgen.
Vor einer Ewigkeit.
Ich ging durch die Stadt,
im Regen, während ich Menschen ansah und meine
Gedanken an der Hand neben mir spazieren führte.
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Montag, 12. September 2016
Ich dachte
"Ich dachte, du liebst mich!", sagte sie und sah ihn an.
Stumm und mit diesem Blick in den Augen, der ihn seit Monaten schier in den Wahnsinn trieb. Ihre Lippen schmollten, sie hatte wieder die Spottfalte um den Herzchenmund, den er zu Anfang so gerne geküsst hatte. Zu Anfang.
Er seufzte.
"Kannst du bitte mal was dazu sagen?" Die Stimme so voller Vorwurf, so voller... Er sparte sich die Mühe nach weiteren Beschreibungen zu suchen.
"Was soll ich denn sagen?"
"Vielleicht, wieso du deine Kollegin gevögelt hast?"
Wut. Wut lag in ihrer Stimme. Vorwurf und Wut, meistens waren es die beiden Färbungen, die ihr Tonfall annahm, wenn ihr Herzchenmund mal wieder Gehässigkeiten ausspie. Wie ein Drache, nur nicht ganz so liebenswürdig.
Er zuckte die Schultern, konnte sehen, dass sie das noch mehr in Rage brachte.
"Ich dachte, ich liebe dich...", griff er ihre Streiteingangsfrage auf. Immerhin konnte sie ihm nicht vorwerfen, er höre nicht zu.
"Was?!" Farblos war ihre Stimme plötzlich. Wie eine graue Ziegelsteinwald, von der man die Graffitis abgewaschen hatte.
Schlagartig wurden ihre Augen, in denen er schon vorher verdächtigen Schimmer festgestellt hatte, nass. Aus dem Saphirgrün perlten Tränen, hinterließen regentropfengleich Spuren auf ihrem Shirt.
"Ich dachte das mit uns wäre etwas Besonderes, etwas, das nur wir haben..." Hilflos nestelte sie an einem Fingernagel herum, riss ihn ab, während ihre Worte ertranken.
Er konnte es nicht leiden, wenn sie das tat. Mit hochgezogener Augenbraue beobachtete er eine Sekunde den Nagelrest, der sich in der Shirtfalte auf ihrem Bauch fing.
"Das war allein deine....Interpretation. Ich habe das so nie gesagt!" Cool und beherrscht lehnte er sich auf dem Sofa zurück.
"Es geht nicht darum, was du gesagt hast, sondern wie es rüberkam und wie es sich angefühlt hat!" Sie weinte, als sie mit krausen Gedankengängen um sich warf. Der Damm war endgültig gebrochen, die Schleuse stand sperrangelweit offen.
Irgendwie hatte er Hunger. Vielleicht konnte er später noch mit Chris einen Döner essen gehen. Oder zu Bastian ein Bier trinken.
Ihr Schluchzen riss ihn aus seiner Abendplanung, richtig, hier gab es noch eine Schlacht zu schlagen. Das letzte Gefecht, sozusagen.
Sein Fremdgehen war mit einem Mal nicht mehr Vorwurf Nummer 1, dachte er in einem Anflug von Zynismus.
"Du hast mich nie geliebt Wirklich nie?" Rotz lief ihr aus der Nase, wanderte Richtung Herzchenmund. Er brauchte eine Sekunde, sich von dem Anblick zu lösen, ein Ekelschauer überlief ihn.
"Ich hab's versucht, ich hab's mir eingeredet", sein Blick ging nach unten, vielleicht war er ihr schuldig, so zu tun, als würde er die Tatsache, sie nicht lieben zu können, ehrlich bedauern. "Es hat nicht geklappt!" Ob seine Stimme sich so kalt anhörte, wie die Worte eisig aus ihm hervorsprudelten?
"Du hast es VERSUCHT?" Ihre Worte überschlugen sich, Tränenbläschen spritzten wie Meeresgischt durch die Spannung der Luft.
"Bin ich so ein Ekel, dass man hartnäckig versuchen muss, mich zu lieben?" Die Mascara lief ihr in Strömen übers Gesicht, irgendwie hatte sie was von einem schwarzweißen Clown. Nein, berichtigte er sich. Clowns waren lustig. Oder zumindest gruselig. Sie war gerade einfach jämmerlich.
Er schüttelte den Kopf, wollte ihren Blick mit seinem festhalten.
"Hey..." Sollte er ihren Arm streicheln? Er machte Anstalten dazu, doch sie drehte sich entschlossen weg. Funken sprühten nun aus dem Spahirgrün ihrer Augen.
"Fass mich nicht an!", zischte sie. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn sich ihr Nackenhaar aufgestellt hätte wie bei einer wütenden Katze.
"Ich bin fertig mit dir! Ich will dich nie wieder sehen!" Die Worte schossen ihm entgegen, schleuderten in Saltos um seine Ohren und schenkten ihm ein Gefühl von Freiheit. Freiheit, endlich wieder.
Langsam nickte er. "Okay."
"Mehr hast du nicht zu sagen? Nur "okay"?" Verachtung.
"Nein. Nur okay."
Er stand auf, sah sich nochmal in ihrem Wohnzimmer um, schnappte sich seine Autoschlüssel und das Smartphone. Ohne ein weiteres Wort verließ er die Wohnung, zog die Tür hinter sich ins Schloss und freute sich über das Geräusch, mit dem sie ihn verabschiedete.
"Ich dachte du liebst mich!", hörte er sie auf der Straße weinen.
Stumm und mit diesem Blick in den Augen, der ihn seit Monaten schier in den Wahnsinn trieb. Ihre Lippen schmollten, sie hatte wieder die Spottfalte um den Herzchenmund, den er zu Anfang so gerne geküsst hatte. Zu Anfang.
Er seufzte.
"Kannst du bitte mal was dazu sagen?" Die Stimme so voller Vorwurf, so voller... Er sparte sich die Mühe nach weiteren Beschreibungen zu suchen.
"Was soll ich denn sagen?"
"Vielleicht, wieso du deine Kollegin gevögelt hast?"
Wut. Wut lag in ihrer Stimme. Vorwurf und Wut, meistens waren es die beiden Färbungen, die ihr Tonfall annahm, wenn ihr Herzchenmund mal wieder Gehässigkeiten ausspie. Wie ein Drache, nur nicht ganz so liebenswürdig.
Er zuckte die Schultern, konnte sehen, dass sie das noch mehr in Rage brachte.
"Ich dachte, ich liebe dich...", griff er ihre Streiteingangsfrage auf. Immerhin konnte sie ihm nicht vorwerfen, er höre nicht zu.
"Was?!" Farblos war ihre Stimme plötzlich. Wie eine graue Ziegelsteinwald, von der man die Graffitis abgewaschen hatte.
Schlagartig wurden ihre Augen, in denen er schon vorher verdächtigen Schimmer festgestellt hatte, nass. Aus dem Saphirgrün perlten Tränen, hinterließen regentropfengleich Spuren auf ihrem Shirt.
"Ich dachte das mit uns wäre etwas Besonderes, etwas, das nur wir haben..." Hilflos nestelte sie an einem Fingernagel herum, riss ihn ab, während ihre Worte ertranken.
Er konnte es nicht leiden, wenn sie das tat. Mit hochgezogener Augenbraue beobachtete er eine Sekunde den Nagelrest, der sich in der Shirtfalte auf ihrem Bauch fing.
"Das war allein deine....Interpretation. Ich habe das so nie gesagt!" Cool und beherrscht lehnte er sich auf dem Sofa zurück.
"Es geht nicht darum, was du gesagt hast, sondern wie es rüberkam und wie es sich angefühlt hat!" Sie weinte, als sie mit krausen Gedankengängen um sich warf. Der Damm war endgültig gebrochen, die Schleuse stand sperrangelweit offen.
Irgendwie hatte er Hunger. Vielleicht konnte er später noch mit Chris einen Döner essen gehen. Oder zu Bastian ein Bier trinken.
Ihr Schluchzen riss ihn aus seiner Abendplanung, richtig, hier gab es noch eine Schlacht zu schlagen. Das letzte Gefecht, sozusagen.
Sein Fremdgehen war mit einem Mal nicht mehr Vorwurf Nummer 1, dachte er in einem Anflug von Zynismus.
"Du hast mich nie geliebt Wirklich nie?" Rotz lief ihr aus der Nase, wanderte Richtung Herzchenmund. Er brauchte eine Sekunde, sich von dem Anblick zu lösen, ein Ekelschauer überlief ihn.
"Ich hab's versucht, ich hab's mir eingeredet", sein Blick ging nach unten, vielleicht war er ihr schuldig, so zu tun, als würde er die Tatsache, sie nicht lieben zu können, ehrlich bedauern. "Es hat nicht geklappt!" Ob seine Stimme sich so kalt anhörte, wie die Worte eisig aus ihm hervorsprudelten?
"Du hast es VERSUCHT?" Ihre Worte überschlugen sich, Tränenbläschen spritzten wie Meeresgischt durch die Spannung der Luft.
"Bin ich so ein Ekel, dass man hartnäckig versuchen muss, mich zu lieben?" Die Mascara lief ihr in Strömen übers Gesicht, irgendwie hatte sie was von einem schwarzweißen Clown. Nein, berichtigte er sich. Clowns waren lustig. Oder zumindest gruselig. Sie war gerade einfach jämmerlich.
Er schüttelte den Kopf, wollte ihren Blick mit seinem festhalten.
"Hey..." Sollte er ihren Arm streicheln? Er machte Anstalten dazu, doch sie drehte sich entschlossen weg. Funken sprühten nun aus dem Spahirgrün ihrer Augen.
"Fass mich nicht an!", zischte sie. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn sich ihr Nackenhaar aufgestellt hätte wie bei einer wütenden Katze.
"Ich bin fertig mit dir! Ich will dich nie wieder sehen!" Die Worte schossen ihm entgegen, schleuderten in Saltos um seine Ohren und schenkten ihm ein Gefühl von Freiheit. Freiheit, endlich wieder.
Langsam nickte er. "Okay."
"Mehr hast du nicht zu sagen? Nur "okay"?" Verachtung.
"Nein. Nur okay."
Er stand auf, sah sich nochmal in ihrem Wohnzimmer um, schnappte sich seine Autoschlüssel und das Smartphone. Ohne ein weiteres Wort verließ er die Wohnung, zog die Tür hinter sich ins Schloss und freute sich über das Geräusch, mit dem sie ihn verabschiedete.
"Ich dachte du liebst mich!", hörte er sie auf der Straße weinen.
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PointOfView,
SchlussMachen,
Unendlich,
Weltbild
Samstag, 10. September 2016
Bahnhofs-Charakter
Am Bahnhof festkleben,
Keinen Schritt vor den anderen
Setzen können.
Flüssigkeiten verschiedenster Art,
Angetrocknet,
Flecke auf Verbundstein.
Es riecht nach Pisse und Verspätung.
Irgendwo raschelt das Burgerpapier von letzter Nacht
aufdringlich im Fahrtwind eines dahinkriechenden Güterzugs.
Dreckfetzen wirbeln unter der
Überdachung am Bahnhof,
Wo Schuhsohlen am Boden
Festkleben.
Freitag, 9. September 2016
Wir ergötzen uns
Wir verschwenden Lebenszeit und
sparen Datenvolumen,
nur um fetten Frauen im Netz
beim Verschlingen von 5000kcal
am Stück zuzusehen -
bodyshaming to go.
Wir ergötzen uns auf Twitter
an Gesichtern der Not und des Leids,
nur um dem Gutmenschentum,
dem heiligen,
gerecht zu werden.
Wir zersäbeln die Erde,
unterwerfen sie, erforschen sie -
Alles in Auftrag und Sinne der
Wissenschaft.
Wir pflanzen Strommasten,
warten bis sie blühen
wie die Wildrosen,
die wir im Staub zurückgelassen haben -
vielleicht treiben sie aus,
irgendwann.
Unser Leben hat online
mehr Bedeutung als analog,
Follower sind die besseren Freunde,
während die Sucht nach den
täglichen Likes niemanden mehr
in die Stammkneipe treibt abends.
sparen Datenvolumen,
nur um fetten Frauen im Netz
beim Verschlingen von 5000kcal
am Stück zuzusehen -
bodyshaming to go.
Wir ergötzen uns auf Twitter
an Gesichtern der Not und des Leids,
nur um dem Gutmenschentum,
dem heiligen,
gerecht zu werden.
Wir zersäbeln die Erde,
unterwerfen sie, erforschen sie -
Alles in Auftrag und Sinne der
Wissenschaft.
Wir pflanzen Strommasten,
warten bis sie blühen
wie die Wildrosen,
die wir im Staub zurückgelassen haben -
vielleicht treiben sie aus,
irgendwann.
Unser Leben hat online
mehr Bedeutung als analog,
Follower sind die besseren Freunde,
während die Sucht nach den
täglichen Likes niemanden mehr
in die Stammkneipe treibt abends.
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Umweltschutz,
Zerstörung
Donnerstag, 8. September 2016
Sonntagmorgenträumerei
Der Sonntag regnete grau auf das Dach, über dessen Ziegel man Felder und Bäume sehen konnte. Seidig hingen Wolken im Geäst der Buchen und Eichen, umschlungen Sommerblätter und Herbstfrüchte; vereinzelt tropften Wasserperlen hell wie Kristall auf Birkenrinde, hinterließen Spuren aus Silber. Es duftete frisch und irgendwie ein wenig nach warmem Holz. Sacht strich eine Windbrise über mein Ohr, ich konnte spüren, wie das Babyhaar direkt unterhalb des Ohransatzes meine Haut kitzelte. Voller Behagen zog ich die Bettdecke ein Stück weiter über meine Schulter und kuschelte mich tiefer in Kissen und Wärme. Ich blinzelte eine Sekunde, verschlafen, und als ich sie neben mir liegen sah, ganz in Bettdecke und Kissenschluchten vergraben, schien meine Welt perfekt. Sie atmete gleichmäßig; ich konnte das Auf und Ab ihres Brustkorbs beobachten, in dieser Winzigkeit von Moment. Die Sonne in meinem Herzen zeichnete ein Lächeln auf meine Lippen, ich streckte unter der Decke eine Hand durch, berührte sanft ihren Rücken. Sie bewegte sich, irgendwie, als würde sie sich in ihrem Schlaf gestört fühlen. Prinzessinnenschlaf, dachte ich und fiel in Sonntagmorgenträume.
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Mittwoch, 7. September 2016
Er sitzt
Auf seinem Hocker, zwischen all diesen Menschen, die vorüber hetzen und für die jeder Tag gleich ist, sitzt er. Tag ein, Tag aus. Er sieht Regen und Sonne, spürt den Wind auf seinen Wangen, obwohl er ihn schon lange nicht mehr wahrnimmt. Vielleicht seit zwei Jahren, oder doch seit zwei Jahrzehnten? Es spielt keine Rolle mehr, redet er sich ein, während ein Hund auf Augenhöhe an ihm schnuppert.
Vor seinen Füßen stapelt sich Kleingeld im Kaffeebecher von Starbucks, achtlos hineingeworfen, ein Cent, zwei Cent, ein Euro. Von seinem Hocker aus kann er sehen, dass es noch nicht einmal genug sein wird für... Wofür eigentlich? Kaffee? Eine warme Mahlzeit? Tee? Schon lange wusste er nicht mehr, was er wirklich wollte, was sein Körper brauchte, wonach er verlangte. Hier und da schmerzte ihn der Rücken, die Knie taten ihm vom täglichen Sitzen weh, irgendwie waren sie steif und unbeweglich geworden.
Er reibt sich durchs Gesicht, rau, beinahe ledrig fühlt es sich an. Eine Sekunde erschrickt er, fängt sich aber schnell und lenkt seinen Blick zurück auf die Straße. Zurück zu den Menschen, die er schon lange nicht mehr verstehen kann. Seit zwei Jahren vielleicht, oder auch seit zwei Jahrzehnten. So genau weiß er das nicht mehr, eine Rolle hat es wahrscheinlich noch nie gespielt.
Er sitzt auf seinem Hocker, in der Stadt, und beobachtet Menschen, die leblos ihre Zeit vergeuden.
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Montag, 5. September 2016
Melodie
Manchmal hört man diese Melodie. Die man schon jahrelang nicht mehr gehört hat, oder noch vor wenigen Minuten auf den Ohren hatte. Man verharrt eine Sekunde in dem, was man gerade macht. Kochen, Autofahren, mit dem Hund im Wald herumstromern oder eine Zigarette rauchen.
Sie trifft mitten ins Herz, setzt den Verstand außer Kraft und schenkt Gänsehaut, die angenehm gruselig den Rücken überzieht. Fein stellen sich Armhärchen, irgendwie fühlen sich die Ohrspitzen warm an.
Erinnerungslücken durchziehen Gedankenströme, Gefühle schlagen Wellen, höher als Ozeane.
Diese eine Melodie.
Tagelang gehört, nächtelang geträumt.
Diese eine Melodie, die vielleicht zu genau dem einen Menschen gehört hat.
Und immer noch gehört, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Kann man Mensch und Melodie voneinander trennen, wenn sie erst zu einem geworden sind?
Erinnerungen löschen, die stundenlang Namen und Noten in Herzwände gegraben haben?
Diese eine Melodie, zur Seuche geworden, zum Methadon der Verliebten.
Sie trifft mitten ins Herz, setzt den Verstand außer Kraft und schenkt Gänsehaut, die angenehm gruselig den Rücken überzieht. Fein stellen sich Armhärchen, irgendwie fühlen sich die Ohrspitzen warm an.
Erinnerungslücken durchziehen Gedankenströme, Gefühle schlagen Wellen, höher als Ozeane.
Diese eine Melodie.
Tagelang gehört, nächtelang geträumt.
Diese eine Melodie, die vielleicht zu genau dem einen Menschen gehört hat.
Und immer noch gehört, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Kann man Mensch und Melodie voneinander trennen, wenn sie erst zu einem geworden sind?
Erinnerungen löschen, die stundenlang Namen und Noten in Herzwände gegraben haben?
Diese eine Melodie, zur Seuche geworden, zum Methadon der Verliebten.
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