Posts mit dem Label Café werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Café werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 28. Februar 2019

Zu viel.

Wir sitzen uns gegenüber,
in diesem Café,
wo es einzigartige Schokolade
zu Trinken gibt. Die mit den
Marshmallows.

Wir sitzen uns gegenüber;
beim Reden hauchst
du mir deinen Kaffee-
Atem entgegen - bitter und warm.
Es stört mich kaum.

Ich halte mich an meinem
Glas Wein fest
wie ein
Ertrinkender.
Dabei mag ich keinen Wein.
Weder roten noch weißen;
weder trocken
noch süß.

"Manche Situationen verlangen nach außergewöhnlichen Maßnahmen!"

Heute scheint eine
solche Situation zu sein.

Wir sitzen uns gegenüber,
seit zwei Stunden schon.
Ich hatte zu viel Wein,
den ich nicht mag.

Du hattest zu viel Kaffee,
den du nicht
leiden kannst.

Dein Blick irrt im Raum
umher, irgenwie.
Es gibt Nichts,
woran er sich festsehen
könnte.

In meinem Kopf dreht sich
alles,
kann ich noch
klar denken
oder bin ich
betrunken?

Dein Blick trifft mich, unstet.
Du versuchst zu lächeln,
doch irgendwie
wird eine
Grimasse daraus.

Ich hatte zu viel Wein.
Du hattest zu viel Kaffee.
Wir sitzen uns gegenüber
in diesem Café
mit der ganz besonderen
Schokolade
und wissen nichts
miteinander
anzufangen.

snowcakeofice.
 

Samstag, 27. August 2016

Immer Donnerstag I

"Einen Milchkaffee, bitte!" Betty lächelt die Barista mit dem Halstuch in Himmelblau an. "Sehr gerne, darf es sonst noch etwas sein? Ein Stück Kuchen vielleicht?" Einen Moment überlegt Betty, schüttelt dann aber den Kopf. "Nein, danke, ich nehme nur den Kaffee." Die Barista nickt freundlich, stellt eine schöne, geschwungene Tasse unter die Kaffeemaschine und drückt den Knopf. Knatternd rattert  das Mahlwerk, Kaffeebohnen verlieren sich im Sog des Strudels, werden zu fein duftendem Pulver verarbeitet, um im nächsten Augenblick im kochenden Wasser die Metamorphose zu Bettys Bestellung zu vollenden. Während die Barista ein Milchkännchen aus Metall unter die Aufschäumdüse hält, tobt draußen in der Haupteinkaufsmeile der Stadt der Donnerstagmorgen.
Lieferwagen, Geldtransporter, Menschen mit Tüten in den Händen stehen sich gegenseitig im Weg und blockieren die Fußgängerzone. Baustellenlärm dröhnt, die Glasscheiben des Cafés halten nur wenig davon ab.
Bettys Blick ruht eine Sekunde auf dem Leben vor der Tür, kehrt dann aber in das Café zurück, köstlich duftend steht ihr Milchkaffee inzwischen auf der Theke vor ihr.
"2,80€, bitte!" Auch die Barista blickt zur Tür hinaus, eine Augenbraue hochgezogen. "Heute wird es wieder laut... Oh, Ihre Freunde sitzen schon alle da!" Betty drückt der jungen Frau mit dem Halstuch in Himmelblau drei Euro in die Hand. "Stimmt so!" Sie lächelt, die Barista lächelt zurück. "Ist mal wieder Donnerstag, nicht wahr?" Betty nickt, hebt ihre Tasse vorsichtig am Unterteller hoch und freut sich, dass sie neben dem Tütchen Rohrzucker -wie immer donnerstags- einen Keks findet. "Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und bis nächste Woche!", verabschiedet Betty sich, während sie aus der Tür hinaus und auf ihre Freunde am Tisch unter dem großen Sonnenschirm zugeht.

Dienstag, 28. Juni 2016

CaféGefühl

Ich saß in diesem Café, die Straße rein, gleich links.
Die Armstützen der Stühle luden in Rot leuchtend zum Verweilen ein, die meisten von ihnen standen jedoch noch verwaist.
Vielleicht lag es an der Uhrzeit -es war ja noch früh an diesem Montag-, vielleicht lag es aber auch an der Geschäftigkeit der Menschen.
Sie hetzten vorüber wie getriebenes Vieh, immer in Erwartung des nächsten Peitschenknalls kurz hinter den Ohren. Ein pompöses "Peng!" -eine Email, ein Anruf-, um sie aus ihrem Trott herauszureißen und zu nichtssagenden Höchstleistungen anzutreiben.
In den Augen der Gehetzen spiegelte sich das Wochenende; Begegnungen, Gespräche, Gedanken hingen noch so manifest in Köpfen, als wäre Sonntag erst gestern gewesen.
Ich bestellte einen Milchkaffee, konnte dabei kaum die Augen von dem Treiben abwenden, das an der Kante meiner Nase vorüberzog.
Leben, schoss mir durch den Kopf, hier passiert das Leben.
Es dauerte nicht lange und die Kellnerin -Italienerin, Pferdeschwanz, ganz in schwarz gekleidet, ein kleiner Schriftzug (der Name des Cafés, vielleicht?) zierte in roter Kursivschrift den Kragen der Bluse- brachte meinen Milchkaffee. In einem Glas, normalerweise für Latte Macchiato gedacht, schäumte die aufgeplusterte Milch bis über den Rand hinaus. Mittig ein heller Kaffeefleck, wie zufällig verloren. Sanft stieg mir das Aroma frischer Kaffeebohnen in die Nase.
"Prego!"
Sie stellte das Glas -auf einem schwarzen Unterteller- vor mich auf den Tisch und lächelte mich an.
Ich zahlte direkt, 2,80€, 20 Cent Trinkgeld. Nicht die Welt, eher eine Geste, aber es war ja auch noch früh an diesem Montag.
Ihr Danke klang leicht und frei in meinen Ohren, ich mochte sie.
Polternd raste ein Kleinlastwagen an mir vorbei, zog meine Aufmerksamkeit wieder intensiv auf das Leben und die Geschäftigkeit der Straße.

Während ich an meinem Milchkaffee nippte -der Schaum kitzelte in der Nase- fuhr ein Auto der Müllabfuhr vorüber. Die Männer auf den Seitentritten unterhielten sich fröhlich, Scherze flogen hin und her, füllten die Straße, wie mehr und mehr Gäste das kleine Café, vor dem ich saß.
Leben, schoss mir wieder durch den Kopf und ich musste lächeln. Ich genoss die Geschäftigkeit der Gasse, verliebte mich geradezu in das Treiben, das vor meinen Augen geschah und von dem ich -für den Augenblick- kein Teil war.

Dienstag, 21. Juni 2016

Die Kellnerin

"Ich nehme meinen Kaffe schwarz, danke!" Die Kellnerin nickt flüchtig, kritzelt etwas unleserlich auf ihren Notizblock. "Möchten Sie ein Stück Kuchen oder einen Muffin dazu?" Ihre Stimme ist nuschelig-verwaschen, als hätte sie die letzte Nacht nicht viel Schlaf bekommen. Ich schüttele nur den Kopf, sie eilt langsam zur Theke zurück und nimmt einen Schluck Wasser. Die Augen eine Mischung aus halboffen und -geschlossen, ich kann mich nicht entscheiden, welchen Ausdruck sie im Blick trägt. Gelangweilt? Desinteressiert? Übermüdet? Besorgt vielleicht?
Um die Mundwinkel herum scheint sie nahezu versteinert zu sein, nicht das sachteste Lächeln umschmeichelt ihre Lippen. Dabei würde ihr ein Lächeln, sei es noch so zaghaft, so gut stehen, geht mir durch den Kopf. Ich beobachte ihre Bewegungen, wie sie hinter dem Tresen meinen Kaffee zubereitet. Sie streckt sich, um an die Tasse zu kommen, dabei verrutscht ihre Schürze ein wenig und gibt ein Stück Jeans frei. Seufzend stellt sie Tasse samt Untertellerchen auf die Arbeitsfläche, wischt mit einem Geschirrtuch einmal durch. Beinahe kritisch wirkt der Blick, den sie dem Kaffeevollautomaten zuwirft, Wasserstand und Kaffeebohnenfüllmenge scheinen in Ordnung zu sein.  Sie platziert die Tasse unter dem Kaffeehahn und drückt auf einen der Silberknöpfe, blank und altmodisch. Ein Rattern, Knarren und Mahlen folgt, ich sehe, wie Kaffeebohnen in einem Ministrudel ins Innere der Maschine gezogen werden. Ihr Ächzen verrät mir, wie es mit ihnen zu Ende geht, ihr frisches Blut strömt heiß und dampfend in die weiße Tasse. Fein weht der Duft frischgemahlenen Kaffees zu mir an den Tisch, eine gewisse Vorfreude erfüllt mich.
Die Kellnerin wischt ihre Hände an der Schürze ab, kleine Wasserperlen spritzen ins Nirgendwo. Wahrscheinlich hat sie sich gerade die Finger gewaschen, für einen Augenblick war meine Aufmerksamkeit abgeschweift.
Das Brummen des kaffeespuckenden Automaten verklingt, ein letztes Klack und die Maschine hat ihre Arbeit vollendet.
Vorsichtig, um sich nicht zu verbrennen, greift die Kellnerin, ich schätze sie auf Anfang zwanzig, nach der Tasse und setzt sie behutsam auf dem Unterteller ab. Ihre Hand zuckt in Richtung der Besteckschublade, verharrt einen Moment darüber, um schließlich nach den Plätzchen zu greifen. Sie bewegt stumm die Lippen, vermutlich wiederholt sie gerade, dass ich meinen Kaffee schwarz trinken möchte.
Während sie mit Tasse und Plätzchen unterwegs zu meinem Tisch ist, wenige Schritte, hebe ich den Blick und schaue sie an. Eine Sekunde erwidert sie meinen Kontaktversuch, dann lächelt sie. Stellt den Kaffee etwas umständlich auf der Tischplatte ab. "Danke!" Ihre Hand streift nur Millimeter an meinem Arm vorbei, ich kann die Wärme spüren, die sie ausstrahlt. "Sie sollten öfter lächeln, das steht Ihnen ganz hervorragend!" Ihr Lächeln über das Kompliment vermischt sich mit dem Kaffeeduft und gibt dem Nachmittag ein ganz besonderes Aroma.