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Mittwoch, 15. Juni 2016

Stern-Regen

Zart wie Schneeflocken scheinen sie über den Gartenweg gestreut, Cremeweiß mit gelben Staubfäden. Filigran und zerbrechlich zieren sie Rasen und Fliesen, setzen sie sich in den bemoosten Fugen fest.
Sterne, geregnet aus abermillionen Wolken in diesem Frühjahr säumen den Weg unter den Schutz der Laube. Dampfig steigt Regendunst aus der Wiese, Würmer tummeln sich emsig, häufen Erdmassen auf Grashalme. Matsch drückt sich in Hundepfoten, nassnasig schnuppern Vierbeiner an einer Schnecke - blitzlangsam zieht sie ihre Fühler ein, schrumpft zu einem Häuflein Rostrot zusammen.
Die Windböen duften frisch nach Winter, Meeresrauschen und einem Hauch Sommer, verrückt.
Wenn es im Frühsommer weiße Sterne regnet, hört die Welt einen Moment auf, sich zu drehen.

Montag, 16. Mai 2016

Schönheit

Ich ging durch die Welt und dachte darüber nach, wie schlecht alles war.
Das Wetter an diesem Tag war klar und sonnig, ein Hauch Frühlingswärme setzte sich in meinem Gefühlschaos fest.
Mein Blick strich verschwommen über die Landschaft, ich hatte Mühe, ihre Schönheit und ihre Eleganz wahrzunehmen. Hinter meinem Kameraobjektiv befand ich mich in einer Art Parallelwelt, Sucher und Linse bewahrten mich vor der Realität.
Irgendwo knirschte es im Geäst der Birkenpflanzung.
Erst als ich einen Moment stehenblieb und die Ruhe auf mich wirken ließ, konnte ich es sehen.
Ich sah um mich herum, drehte mich im Kreis und atmete die Frische der Luft bewusst in meine Lungen. Tausend und abertausend Partikelchen funkelten und tanzten im Sonnenlicht, es sah aus wie Feenstaub. Aufgewirbelt, um wahrgenommen zu werden.
Mein Herzschlag wurde ruhiger, meine Gedanken stoppten ihre Raserei, ich ließ mich nieder und dachte darüber nach, wie wunderschön doch alles sein konnte.

Montag, 7. März 2016

Straßen-Werbung

Während Schneeflocken zur Erde rieseln, mal kleine, mal größere, liegen sie in ihren Fenstern. Die Hektik des Mittags zieht an denen vorbei, die bequem auf große Kissen gepolstert an den Fenstern zur Straße gebettet sind und arbeiten. Wie lebendige Plakatwände zieren sie die Häuserfront, ihre Stimmen hallen laut wider im Straßenverkehr. Nur das Rauschen der Straßenbahn übertönt die Unterhaltungen, die in fernen Sprachen und exotischen Nuancen an die Ohren der Passanten dringen. Augen, munter wie Springbrunnen, folgen Menschen und Tieren, mustern, gucken, gaffen, glotzen. Augenbrauen ziehen sich hoch, Mundwinkel spreizen sich zu Gelächter, große Ballonbrüste wackeln.
Die Fenster sind überdacht und bieten irgendwie Schutz. Vor Regenwetter und Sonnenschein, vor Sturm und wüstem Stadtwind, ebenso wie vor lauem Lüftchen. Vor Blicken und Worten schützen sie nicht, die Fensterdächer.
Der Tag treibt seine Stunden voran, die Damen ihre Fenster-Werbung. Sie pfeifen und gackern, inzwischen vielleicht eine Spur genervter, ein wenig ironischer. Durchweicht sind die roten Extensions im Kraushaar, acht Stunden Straßen-Werbung haben ihre Spuren hinterlassen. Zerschlissen wie Plakatwände nach dem Sturm verlassen sie ihr Fenster, das große Kissen fest unter den Arm geklemmt. Die Spätschicht steht schon in den Startlöchern, man kann ihr Gackern schon aus den hinteren Räumen hören.

Sonntag, 14. Februar 2016

Regen, Regen

Samstagmorgen, wundervoll grau strahlt der Himmel, sachte plätschern Regentropfen auf dem Dachfenster. In der Luft liegt ein besonderer Duft, genau definieren kann ich ihn nicht. Regenwurm, irgendwie, eine Brise Waldboden und ein Hauch nasser Asphalt. Schon um kurz nach sechs konnte ich Vögel singen hören, langsam aber sicher wird nun doch mal Frühling. Hoffentlich.
Hinter meinen Augen pocht es seltsam dumpf, so als hätte mich beim Schlafen was überfahren, ein LKW, ein Zug, ich weiß nicht. Ich seufze. Hilft ja alles nix, Termin ist Termin.
Inzwischen schon dreißig Minuten auf den Beinen, hat weder das Pochen hinter meinen Augen aufgehört, noch der Regen draußen ein Einsehen gehabt. Verdammt.
Grüne Jeans, schwarze Stiefel, braune Jacke. Ein bisschen Make Up ins Gesicht, gegen das Fahle und Bleiche.
Im Garten überkommt mich ein Schaudern, widerlich kalt kriecht Kälte in den Jackenkragen, setzt sich fest. "Hunde, beeilt euch mal mit dem Pipi!"  Dampfwölkchen steigen von Pipipfützen hoch, schnell zurück ins Warme.
Frühstück, Tasse Tee, Zähneputzen und los. Hinein in den Samstagvormittag, hinaus in das Regenwetter. Zwei Stunden Industriekultur unter freiem Himmel, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung!