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Mittwoch, 5. Oktober 2016

Song of the day

Der Hauch einer Melodie, vielleicht kombiniert mit ein paar Zeilen Text. Flüchtig im Autoradio aufgeschnappt, zwischen Ampelrot und Zebrastreifen, kaum hingehört. Doch gerade genug, um diese wenigen Worte nicht mehr aus dem kopf zu bekommen. Lippen schnurren lautlos Silben, Gedanken lauschen dem Text. Unvollständig und lückenhaft, wie ein verloren gegangener Liebesbrief. Ohne Adressat, ohne Ziel, ohne Sinn.
Das Netz durchforsten nach den Songzeilen, die Karussell fahren, immer rund und rund, ohne anzuhalten. Quietschend versagen die Bremsen, bis plötzlich - Erlösung.

Google zeigt 1.234.567 Ergebnisse an, der Song aus meinem Kopf ist Ergebnis Nr. eins.
Ich tippe irgendwie zittrig Interpret und Songtitel bei YouTube ein, halte eine Sekunde die Luft an, als das Verbindungsrädchen dreht. Videovorschauen ploppen auf meinem Display auf, wieder ist es Ergebnis Nr. eins.  Kaum geklickt ertönt die Melodie meines Kopfsongs, nach den ersten Takten nuschelt der Sänger die Worte, die mich den ganzen Tag begleitet haben.
Ich atme auf - kann sie endlich in einen Kontext einordnen, sie in ein Großes und Ganzes fügen, als hätte der verloren gegangene Liebesbrief doch noch seinen Empfänger erreicht.

Montag, 5. September 2016

Melodie

Manchmal hört man diese Melodie. Die man schon jahrelang nicht mehr gehört hat, oder noch vor wenigen Minuten auf den Ohren hatte. Man verharrt eine Sekunde in dem, was man gerade macht. Kochen, Autofahren, mit dem Hund im Wald herumstromern oder eine Zigarette rauchen.
Sie trifft mitten ins Herz, setzt den Verstand außer Kraft und schenkt Gänsehaut, die angenehm gruselig den Rücken überzieht. Fein stellen sich Armhärchen, irgendwie fühlen sich die Ohrspitzen warm an.
Erinnerungslücken durchziehen Gedankenströme, Gefühle schlagen Wellen, höher als Ozeane.

Diese eine Melodie.
Tagelang gehört, nächtelang geträumt.
Diese eine Melodie, die vielleicht zu genau dem einen Menschen gehört hat.
Und immer noch gehört, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Kann man Mensch und Melodie voneinander trennen, wenn sie erst zu einem geworden sind?
Erinnerungen löschen, die stundenlang Namen und Noten in Herzwände gegraben haben?
Diese eine Melodie, zur Seuche geworden, zum Methadon der Verliebten.

Montag, 21. März 2016

Rhythmusgefühl

Ein paar Wochen ist es her, da unterhielt ich mich über Lebensrhythmen, Alltagsgewohnheiten und Zubettgeh-Zeiten. Ich stellte zusammen mit meiner Gesprächspartnerin fest, dass sich meine Zeiten konsequent von ihren unterschieden, und das in jeglicher Hinsicht. Eine ganze Weile vergaß ich die Unterhaltung, doch vor wenigen Tagen kam sie mir wieder ins Gedächtnis. Ohne Grund, ohne Vorwarnung, einfach so.
"Wenn ich fast schon aufstehen muss, bist du gerade erst ins Bett gegangen..." Interessant, dachte ich, da ist irgendwie was dran.
Als genereller Nachtmensch und bekennende Nachteule fällt es mir tatsächlich sehr leicht, "bis in die Puppen" wach zu sein, und,viel wichtiger, gerne aktiv zu sein. Kreativität und Leistungsfähigkeit, Ideen, Motivation, vielleicht ein Hauch Raffinesse - alles Attribute, die ich mir gerne aufs Brot schmiere. Vor allem nachts. Gerade nachts. Ich mag die Nacht, in ihrer Dunkelheit ist sie so samtig, dass es schwierig ist, sie nicht einzuatmen. Man kann sich so leicht in ihr verlieren, in ihren Straßen und Gässchen umhertänzeln und den Ausgang suchen, der irgendwo weit im Osten zu finden ist . Die Nacht verschluckt viel, und gibt doch so viel her, sie flüstert von tausend Problemen und Gedanken, sie erzählt von Ängsten und Befürchtungen. Sie verhüllt und entblößt, in ihr wird alles rein und ehrlich.
Ich mag die Nacht. Ich mag es, wenn der Mond silbert und blass sein Licht verteilt. Ich mag die Nacht mit ihren Einfällen und Ideen, mit ihren Monstern und Liebenden, mit ihren heimlich Küssenden, die in Stadtwinkeln versteckt eng aneinander geschlungen stehen.
Es ist, als hätte die Nacht eine ganz eigene Melodie. Eine, die wie ein Ohrwurm immer wieder kommt und jedes mal auf's Neue wundervoll und erfrischend ist.
Ich mag die Nacht, ich sehe gerne ihre Wellen in Auroras Morgenrot brechen, sehe sie schwinden, und am Abend wieder aufziehen. Dann, wenn ich zu arbeiten beginne, wenn mein Herz seinem Rhythmus folgt.