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Freitag, 23. März 2018

Bad weather.

Augen zu, ich drücke aufs Gaspedal.

Die Sonne geht gerade auf, ich fahre in das Rotglühen des Himmels - das Wetter wird schlecht heute.

Linke Spur, Vollgas.
Oder fast, der Hyundai vor mir bremst mich aus.
Vollidiot.
Ich bin genervt, will weg, einfach weg.

Kilometer um Kilometer ziehen an mir vorbei,
im Rückspiegel verabschiede ich mich leise von ihnen.
Macht's gut, wir sehen uns.

Augen auf, ich bin müde.

Ein Schluck Kaffee aus dem heimatlichen Coffee-To-Go-Becher.
Kein Zucker, ein Schuss Kondensmilch, zweimal gerührt.

Ich öffne das Fenster, Morgenluft mit Abgasen und Benzin erfüllt schnell das Wageninnere.

Das Radio spielt mir das Lied vom Tod, ich würde mich gerne berauscht fühlen.
Doch stattdessen eisklare Gedanken, sie klirren in meinem Kopf und lassen die Zähne klappern.

Sechster Gang, 160km/h. Mein Ziel liegt irgendwo,
hinter meinen Gedanken, vielleicht.
Direkt links neben den Gefühlen.

Inzwischen steht die Sonne höher, der Feuerball, gebettet in Zuckerwatte.

Während ich auf den Endzeithimmel zusteuere, läuft im Radio Stairway to Heaven.

snowcakeofice.

Freitag, 25. November 2016

Kopfhörer

Knall mich voll mit Musik,
Kopfhörer krasseste Lautstärke,
Kein Limit.
Welt aus,Gedanken an,
Im Rhythmus der Lyrics.
Halb gerappt,halb gesungen.
Irgendwie voller Melodie,
Schmerzhaft.
Ein Song im Loop,
Ertrage keinen andren,
Mein Herz schlägt
In diesem Moment
Nur einen Beat,
Wieder und
Wieder.
Kopf wippt,
Augen geschlossen.
Knall mich voll mit Musik,
Welt aus,Herz an.

Freitag, 11. November 2016

Jack The Ripper

Es ist noch unglaublich früh, niemand sollte um diese Uhrzeit unterwegs sein, geschweige denn wach. Straßenlaternen erhellen den anbrechenden Tag, der sich langsam und ungemütlich seinen Weg durch Regenschleier bahnt.
Auf den Asphaltwegen der Stadt rollen die Blechlawinen, der erste Andrang ist inzwischen vorüber, die ersten Menschen schlürfen vielleicht gerade den zweiten und dritten Schluck Kaffee aus schlecht gewaschenen Bürotassen.
Sie zwirbelt an der Schnur der Kopfhörer, wie immer haben sich über Nacht wahre Knotenrudel in die schwarzen Kabel hineingewunden. Sie seufzt, ihre Finger sind eiskalt und das Entwirren fällt ihr schwer.
Scheiße!, flucht sie und umrundet eine Pfütze, die sie gerade so aus den Augenwinkeln entdecken konnte.  Was für ein Morgen!, flüstert ihr durch den Kopf, als sie an der Bushaltestelle vorbeigeht und stumm Augenpaare ihr hinterher starren.
Erst waren beinahe zwei LWK mit ihrem Wagen kollidiert, dann hatte sie auf der Bundesstraße fast einen Fuchs überfahren. Zwei rote Ampeln und mehrere Flüche später parkte sie auf dem großen Parkplatz, wo man sie inzwischen tagtäglich antreffen konnte. Die Werkstatt gegenüber kam ihr schon vor wie unmittelbare Nachbarschaft, sie und die Arbeiter nickten sich zu, vielleicht konnte man im Sommer mal ein Bier zusammen trinken.
Tief hatte sie durchgeatmet, ehe sie den Rucksack auf den Rücken gezogen und auf die Fernbedienung des Autos gedrückt hatte.
Von ferne sah sie das Industriefeuer, das sie als Kind so fasziniert hatte. Wolkenschleier schoben sich vor die Flamme, die blaugrüngelbrot in die zu Ende gehende Nacht flackerte. Ein letzter Blick in die Fenster ihres Wagens, einmal das Spiegelbild überprüfen. Sie lachte, unwillkürlich.

Verdammt, war das kalt! Sie zittert, so sehr, dass sie ein klein wenig von ihrem Kaffee verschlabbert, den sie im Coffee to go - Becher vor sich her balanciert. Oder sich daran wärmt, je nachdem. Ein Bild für die Götter, wahrscheinlich. In der einen Hand, rechts, das Smartphone mit den endlos verquirlten Kopfhörern, in der anderen Hand, links, Kaffee. Halb dampfend, halb gefrierend, lebensnotwendig.
Sie nimmt einen Schluck der Koffeinbrühe, schließt die Augen, als sie das Elixier hinunterschluckt. Bitter und ungesüßt rinnt es ihren Hals hinunter, so wie sie es mag.

"She's been lonely and forgotten ever since/
But her beauty in the night light will remain"

Die beiden Zeilen aus Volbeats "Mary Jane Kelly" kommen ihr in den Sinn, im Kopf summt sie die Melodie mit.
Was für eine schöne Idee, einen Song über ein Opfer Jack the Rippers zu schreiben.
Sie lächelt.
1888 kann sie in Ziffern vor ihrem inneren Auge lesen - eigentlich war es eine spannende Zeit gewesen damals. Nicht anders als heute, irgendwie.
Mord, Totschlag, Krieg. Nichts Weltbewegendes und doch dreht sich der blaue Planet unaufhörlich, Jahr für Jahr.

In ihre Gedanken hinein rauscht der Zug, für den sie heute mitten in der Nacht aufgestanden ist. Niemand sollte um diese Uhrzeit unterwegs sein!

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Song of the day

Der Hauch einer Melodie, vielleicht kombiniert mit ein paar Zeilen Text. Flüchtig im Autoradio aufgeschnappt, zwischen Ampelrot und Zebrastreifen, kaum hingehört. Doch gerade genug, um diese wenigen Worte nicht mehr aus dem kopf zu bekommen. Lippen schnurren lautlos Silben, Gedanken lauschen dem Text. Unvollständig und lückenhaft, wie ein verloren gegangener Liebesbrief. Ohne Adressat, ohne Ziel, ohne Sinn.
Das Netz durchforsten nach den Songzeilen, die Karussell fahren, immer rund und rund, ohne anzuhalten. Quietschend versagen die Bremsen, bis plötzlich - Erlösung.

Google zeigt 1.234.567 Ergebnisse an, der Song aus meinem Kopf ist Ergebnis Nr. eins.
Ich tippe irgendwie zittrig Interpret und Songtitel bei YouTube ein, halte eine Sekunde die Luft an, als das Verbindungsrädchen dreht. Videovorschauen ploppen auf meinem Display auf, wieder ist es Ergebnis Nr. eins.  Kaum geklickt ertönt die Melodie meines Kopfsongs, nach den ersten Takten nuschelt der Sänger die Worte, die mich den ganzen Tag begleitet haben.
Ich atme auf - kann sie endlich in einen Kontext einordnen, sie in ein Großes und Ganzes fügen, als hätte der verloren gegangene Liebesbrief doch noch seinen Empfänger erreicht.

Mittwoch, 28. September 2016

Der Mann mit den schwarzroten Ringelsocken

Kulisse: Theater im Schlosskeller. Ein spanisches Stück steht an, Musiktheater. Ich bin gespannt, so viele Aspekte häufen sich. Das Stück: spanische Sprache. Übertitel: deutsch. Bedeutet, mitlesen, die ganze Zeit. Falls es viel zu lesen gibt, man sagt ja, die Musik trägt ihre Geschichte auch ohne Sprachverständnis. Abwarten. Die Bühne: ich selbst habe vor vielen Jahren hier das Tanzbein geschwungen, war Bräutigam einer nicht ganz so grazilen Braut, die -wie ich selbst- etwas unbeholfen über den Holzboden geschlittert ist. Ein Grande Finale, schillernd das Kostüm, leuchtend die Augen der jungen Ballerinen. Groß der Applaus, stolze Eltern, die vielleicht die Chance erwitterten, dem Nachwuchs einst auf internationalen Bühnenbrettern applaudieren zu können.  
Ein weiterer Schritt Richtung Berufswahl, Berufswunsch: eine Kritik schreiben, über Wohl und Wehe des Stückfortgangs entscheiden, oder auch nicht. Karten sind bereits reserviert, der Saal füllt sich zusehends. Geblubber des Publikums, Schauspieler der billigen Plätze. Jacken knautschen und rascheln, Absätze schick angezogener Damen kratzen grässlich über den bedielten Boden. Musik vom Feinsten. Links eine Reihe vor mir, zum Ausgang hin, ein ältere Herr. Lederjacke, weiße kurze Haare, Brille. Ein standardisierter älterer Herr, sein Hemdskragen schaut über den Rand der Jacke. Eine Jeans an seinen Beinen vervollständigt das Bild, sein Outfit. Ein Bein ruht locker auf seinem Oberschenkel, Anzugsschuhe lugen darunter hervor. Er blätter in einem Flyer, wahrscheinlich einer von denen, die beim Kartenverkauf ausgelegen haben. Von der Seite kann ich seine Augen hin- und herblitzen sehen, wie er Buchstabe für Buchstabe studiert. Seine Hände hält er ruhig, sie zittern nicht, liegen entspannt auf dem Bein. Ich betrachte den älteren Herrn von meinem Platz aus, sympathisch scheint er mir. Ein Zeitgenosse, mit dem man ein Bier so wie eine Wagneroper überstehen und anschließend diskutieren kann. Ein wenig muss ich lächeln, all diese Dinge schweben durch meinen Kopf, während mein Blick auf seinen schwarzroten Ringelsocken verharrt.

Montag, 5. September 2016

Melodie

Manchmal hört man diese Melodie. Die man schon jahrelang nicht mehr gehört hat, oder noch vor wenigen Minuten auf den Ohren hatte. Man verharrt eine Sekunde in dem, was man gerade macht. Kochen, Autofahren, mit dem Hund im Wald herumstromern oder eine Zigarette rauchen.
Sie trifft mitten ins Herz, setzt den Verstand außer Kraft und schenkt Gänsehaut, die angenehm gruselig den Rücken überzieht. Fein stellen sich Armhärchen, irgendwie fühlen sich die Ohrspitzen warm an.
Erinnerungslücken durchziehen Gedankenströme, Gefühle schlagen Wellen, höher als Ozeane.

Diese eine Melodie.
Tagelang gehört, nächtelang geträumt.
Diese eine Melodie, die vielleicht zu genau dem einen Menschen gehört hat.
Und immer noch gehört, wenn man ehrlich zu sich selbst ist.
Kann man Mensch und Melodie voneinander trennen, wenn sie erst zu einem geworden sind?
Erinnerungen löschen, die stundenlang Namen und Noten in Herzwände gegraben haben?
Diese eine Melodie, zur Seuche geworden, zum Methadon der Verliebten.

Sonntag, 31. Juli 2016

Ich wollte dich eigentlich anrufen...

Menschen ziehen an uns vorbei, wir streifen Schultern und Handtaschen. Irgendwo duftet es, nach was, weiß ich nicht genau. Vielleicht gedämpfte Karotten mit Ingwer. Oder Aubergine mit Schafskäse, wer weiß. Menschenmassengetrieben unterhalten wir uns, ehe wir im Sog der Gassen untergehen. Fremde Gesprächsfetzen mischen sich mit unseren eigenen, verwirren sich zu einem Kunterbunt aus Worten, Sprachen und Sätzen.
Mal hinter-, mal nebeneinander, eng beisammen oder in einigen Metern Entfernung schlagen wir uns durch das Dickicht aus Leibern und Haaren. Irgendwann ist es Abend geworden, wohin der Tag verschwunden ist, interessiert hier niemanden. Warm steht die Sonnenluft zwischen Häuserreihen, kaum jemand trägt schon seine Jacke.
Ich sehe sie vor mir, lasse sie nicht aus den Augen, in diesem Gewühl würden wir unweigerlich verloren gehen. Ihre Stimme hab ich im Ohr, klangvoll, melodiös. Ich versuche, ihre letzten Worte im Kopf zu behalten, um gleich zu unserem unterbrochenen Gespräch zurückzufinden.
Von einer kleinen Bühne her plätschert Musik zu uns, ein Klassiker, ich kenne das Lied, denke ich. Dabei habe ich keine Ahnung, wie es heißt oder von wem es sein könnte und trotzdem fühlt es sich an, als hätte ich nie was anderes gehört. In Gedanken summe ich den Rhythmus mit, mein Herz ist frei und leicht, unbeschwert und voller Sommer.
"Ich wollte dich anrufen, aber dann habe ich gerade an dich gedacht!"  Sie ist neben mir stehengeblieben, ihr Arm berührt sanft meinen. Ich schaue zu ihr, ziehe die Brauen fragend zusammen. "Mein Bruder schreibt mir das manchmal, wir haben so eine Abmachung..."
Energisch presst sich eine Dame an uns vorbei, schiebt uns ein Stückchen näher zusammen. Wir scheinen im Weg zu stehen, geht mir durch den Kopf. Und wenn schon.
"Was ist das für eine Abmachung?" Ich bin neugierig geworden..
"Ach, eine schöne eigentlich. Wir haben abgemacht, dass wir statt viel zu schreiben oder telefonieren einfach aneinander denken. Ganz unkompliziert."
In ihrem Blick spiegeln sich genau in diesem Moment, in dieser Gasse, auf diesem Kopfsteinpflaster zwischen all den Menschen unglaublich viele Gefühle. Ich genieße es, den Emotionsregenbogen eine Sekunde ungestört beobachten zu können, ehe er erloschen ist und Umgebung und Realität sie wieder eingeholt haben.

Freitag, 22. Juli 2016

Grundlos Lachen

Grundlos Lachen,
dabei verzieht sich das Gesicht
zu einer Grimasse aus Freude.
Grundlos lachen und
der Tag wird plötzlich so viel
schöner, als man geplant hatte.
Ein Lied, eine Erinnerung, ein Wort
und grundloses Lachen
verliert seine
Grundlosigkeit.