Freitag, 22. März 2019

Strudel

(C) snowcakeofice_fotograefin.

Unsere Tage dauern 24 Stunden
und sind doch viel zu kurz.
Zu kurz, um all die Augenblicke und
Momente
intensiv auskosten zu können.
Zu intensiv sind sie,
um sie ungenutzt verstreichen
zu lassen.
Wir verfangen uns in Minuten,
wie eine Fliege im Netz
einer Spinne.
Wir kleben aneinander,
nicht bereit,
loszulassen.
Unsere Herzen schlagen,
im Gleichtakt,
unsere Gedanken
ergänzen sich.
Am Ende jeden Tages
stellen wir uns die Frage,
wohin all die Stunden
gezogen sind,
wo wir unsere
Minuten verloren
haben.


snowcakeofice.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Zu viel.

Wir sitzen uns gegenüber,
in diesem Café,
wo es einzigartige Schokolade
zu Trinken gibt. Die mit den
Marshmallows.

Wir sitzen uns gegenüber;
beim Reden hauchst
du mir deinen Kaffee-
Atem entgegen - bitter und warm.
Es stört mich kaum.

Ich halte mich an meinem
Glas Wein fest
wie ein
Ertrinkender.
Dabei mag ich keinen Wein.
Weder roten noch weißen;
weder trocken
noch süß.

"Manche Situationen verlangen nach außergewöhnlichen Maßnahmen!"

Heute scheint eine
solche Situation zu sein.

Wir sitzen uns gegenüber,
seit zwei Stunden schon.
Ich hatte zu viel Wein,
den ich nicht mag.

Du hattest zu viel Kaffee,
den du nicht
leiden kannst.

Dein Blick irrt im Raum
umher, irgenwie.
Es gibt Nichts,
woran er sich festsehen
könnte.

In meinem Kopf dreht sich
alles,
kann ich noch
klar denken
oder bin ich
betrunken?

Dein Blick trifft mich, unstet.
Du versuchst zu lächeln,
doch irgendwie
wird eine
Grimasse daraus.

Ich hatte zu viel Wein.
Du hattest zu viel Kaffee.
Wir sitzen uns gegenüber
in diesem Café
mit der ganz besonderen
Schokolade
und wissen nichts
miteinander
anzufangen.

snowcakeofice.
 

Montag, 11. Februar 2019

Kornblumen-Romantik || Anti-Stadtkind

Am Autobahnrand blühten die Kornblumen und ich wusste, es war
Sommer.
Einer dieser Sommer, die Sonnenbräune einbrannten, als würde sie für die Ewigkeit in der Haut haften.
Wie die Kornbumen am Rande der von Blechlawinen überrollten Einöde,
war die Sonnenbräunen-Ewigkeit eine Lüge.
Ein Trugbild, das lange Abende mit Cocktails und Freunden vorgaukelte.
Im Kohlendioxid-Rausch schwangen die
Blaublütigen
sanft umher, neigten ihr Haupt
hierhin  
und
dorthin.

Ich schmeckte Sonne auf meinen Lippen,
dieser
einzigartige Geschmack,
für den es keine Worte gab,
ihn zu beschreiben.

Ein Stadtkind bin ich, dachte ich.
Dann parkte ich meine eigene
Blechlawine
am Straßenrand.

//

Während ich ausstieg, schlug mir
die Hitze der letzten Tage
unbarmherzig entgegen.
Abgestanden, schal und
muffig kam sie daher,
überfiel mich und machte mir
das Atmen schwer.

| Bin ich ein Stadtkind? |

Ich lief durch Straßen und Gassen,
es war noch vor zehn Uhr am Morgen, doch schon jetzt reflektierte
der Asphalt kochend die Wärme.
Atemlosigkeit hing wie eine
Erinnerung über allem.
Menschen schleppten sich,
samt ihren Einkäufen,
durch die Fußgängerzonen -
ihre Gesichter unentspannt wie
an einem vor Tristesse strotzenden Tag Mitte November.
Ich musste an Wald, Bäume und
freie Felder denken.
Wo Vögel sangen und
Kornblumen in Kornblumenblau
erstrahlen konnten.

Irgendwie wurde ich traurig.

Ich dachte an Bäche und verwunschene Flussläufe, 
wo die Zeit immer
stillzustehen schien.
Ich dachte an Strände und das Meer,
an Möwen und
feinen Seewind auf der Haut.
Einsamkeit - Abgeschiedenheit vielmehr-
war so viel reizvoller als
Betonklotzreihen,
die noch nichtmal vor Googles Street-View-Kamera
ansatzweise nett aussahen.

Bäume,
domestiziert und eingezäunt,
Sinnbilder städtischen Lebens.

snowcakeofice.


Sonntag, 10. Februar 2019

Der Baum

Ich sah diesen Baum... Und ich
kam nicht umhin,
(C) Snowcakeofice
ihn lange
schweigend
anzusehen.
Als er mir seine Geschichte
zu Ende erzählt hatte,
liefen Tränen
meine Wangen hinunter
und
ich ging langsam auf ihn zu.

"Ich verstehe Dich",
flüsterte ich in Gedanken,
während ich die Hand ausstreckte,
um seine Rinde
zu berühren.

Im Herbstwind wirbelten
ein paar seiner Blätter.

snowcakeofice.                                           

Donnerstag, 24. Januar 2019

Weißt Du...

Schlohweiß mein Haar,
ein Hauch Lila hat sich
in feinen Strukturen verfangen -
austauschbar.
Mein Style fällt auf,
wenn ich wie Du durch
Stadtgassen schleiche
- katzengleich.
Du sagst, du hast dein
Lebensallerlei
so satt.
Du erzählst mir Geschichten
von Abenteuern und Freiheit,
vom Lagerfeuer am Meer,
direkt hinter den Dünen.
Was hält dich von all dem ab,
will ich wissen.
Du zupfst dir eine Strähne
aus den Augen und ich
sehe, wie Dein Blick
stumpf wird.
Sollte er nicht leuchten und
glühen?
Du seufzt. Knabberst an deinem
Daumennagel.
Weißt Du... setzt Du an und
versäumst am Meisten, zu Dir
selbst
ehrlich zu sein.

Draußen ist es wundervoll,
es duftet nach Sommer, Wasser-
Melone und Lavendel.
Viel zu Schade, den Tag nur
in den eigenen vier Wänden
zu verbringen.

Weißt Du..., Dein Blick wird noch matter.
Ich habe keine Zeit dazu.

Keine Zeit? , frage ich dich.

Ich weiß, die Fragen sind dir unangenehm. Aber manchmal
muss man sich den un-
an-
genehm-
en Fragen des Lebens
stellen.

Ich helfe Dir dabei.
Ich bin da.

snowcakeofice.

Montag, 5. November 2018

Ich möchte mein Herz tanzen sehen


Wie jeden Morgen, verknautscht im Bett liegend,
mit dem Wecker diskutieren.
Zwischen zwei Snooze-Intervallen Sinn
und Unsinn des Sich-Erhebens abwägen,
um letztlich doch zu kapitulieren.

Raus aus Kissen und Decken,
hinein in die Realität.
Wie immer.

Kopf gesenkt, erstes Ziel: die Kaffeemaschine.
Zischend und fauchend füllt sich die Tasse
mit der dunklen Brühe, lebensrettend.

Im Radio melden sie eine Dauerbaustelle,
schon seit Wochen fordert sie die Geduld
der Menschen.

Der Tag ist grau und hell.
Wolken dekorieren den Novemberhimmel und
es fühlt sich an wie immer.
Ein Tag, wie jeder andere.
Ein Tag zum Arbeiten.
Wie immer.

Den Geschirrspüler anschmeißen,
ein paar Brotkrümel wegwischen -
für mehr ist keine Zeit.

Keine Zeit.
Dauerbaustelle.
Ein Tag wie jeder andere.

snowcakeofice.







Freitag, 27. April 2018

Dancing through the trafficlights

Augen geschlossen, ich spuere die Stadt auf der Haut.
Autoabgase und Menschengeschnatter, das die Luft erfuellt.
Gespraechsfetzen, die durchmischt und miteinander verwoben
einen neuen Sinn ergeben.

Ich moechte mich dem Rausch der Stadt ergeben,
mich hingeben und mit jedem Atemzug
das Hier und Jetzt erleben.

Spueren, wahrnehmen,
lauschen.

Irgendwo lacht ein Kind,
es springt froehlich hinter Stadttauben her,
sein Gekicher ist ansteckend.

Eine alte Frau bleibt stehen,
verharrt einen Moment in der
Froehlichkeit des Kindes.
Vielleicht erinnert sie sich
an ihre eigenen Kinder,
ehe sie gross und selbststaendig waren.

Der Trubel des Nachmittags zieht mich
in seinen Bann,
ich moechte mich darin verlieren,
eins mit ihm sein und doch
beobachten.

Menschen, Gefuehle,
Emotionen.

Die Sonne wirft ihre Schatten
auf Haeuser und Autos,
ich lasse meinen Geist mit ihren
Strahlen fliegen.